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 :: Freiwirte verpisst euch ::
 Themen | WEF 12-12-2003 08:56
AutorIn :
DIE SOZIALDARWINISTISCHE,RASSISTISCHE, FRAUENFEINDLICHE,ANTISEMITISCHE UND
ANTIKOMMUNISTISCHE LEHRE
DES SILVIO GESELL

F r e i w i r t e v e r p i s s t e u c h –
n i e m a n d v e r m i s s t e u c h!

DIE SOZIALDARWINISTISCHE, RASSISTISCHE, FRAUENFEINDLICHE, ANTISEMITISCHE UND
ANTIKOMMUNISTISCHE LEHRE DES SILVIO GESELL


Der Schweizer Freiwirtschaftsbund ging 1946 in die Liberalsozialistische Partei der Schweiz (LSPS) über. 1990 entstand aus der LPSP die Internationale Vereinigung für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO). Die Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung ev. ebenfalls INWO, ist die Vertreterin der Dachorganisation in der Schweiz. Die Organisation umfasst den deutschsprachigen Raum mit Niederlassungen in Deutschland und Österreich. In der Selbstdarstellung der Schweizer Sektion heißt es unter anderem: “Die INWO Schweiz orientiert sich an den Grundgedanken der Freiwirtschaft, besonders am Werk Silvio Gesells und an Erkenntnissen aus der internationalen Tauschkreis-bewegung und alternativen Geldmodellen. .. Die INWO Schweiz ist politisch und konfessionell unabhängig. Sie ist einer Geisteshaltung verpflichtet, welche persönliche Freiheit, Menschenwürde und Toleranz gegenüber Andersdenkenden einen hohen Stellenwert einräumt. Sie grenzt sich gegen fremdenfeindliche und rassistische Kräfte ab.“
Nach wie vor bezieht sich die INWO jedoch auf Silvio Gesells Hauptwerk, „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ (NWO), das 1916 in der ersten Auflage erschien. 87 Jahre später vertreten diese Freiwirte Gesells Ideologie fast unverändert, wobei ihre fremdenfeindliche und rassistische Abgrenzung nur rein formalistischer Natur ist. Aus dem Buch werden sozialdarwinistische, rassistische, frauenfeindliche und antisemitische Inhalte bis heute bedient. Ihre moderneren Propagandisten bemühen sich die Inhalte zeitgemäß aufzubereiten, um sie stets in neuer Verpackung einem breiten Publikum schmackhaft zu machen. Meist werden die Inhalte ein wenig anders interpretiert, ohne von ihnen abzurücken oder sich von ihnen distanzieren zu müssen. Analog dazu könnten auch Neofaschisten sich vom Rassismus abgrenzen und Hitlers „Mein Kampf“ als Einstiegslektüre empfehlen.


Die Gesellianer versuchen mit einer Vielzahl von Gruppen und Projekten und einer breiten Bündnispolitik im rechten und esoterischen Spektrum, aber auch in der linken und der umweltbewegten Szene AnhängerInnen zu rekrutieren. Sie haben es immer wieder geschafft in diese Diskussions- und Organisationszusammenhänge einzudringen und dort Fürsprecher zu gewinnen. Im Schweizer Oltener Bündnis, das sich gegen das Wold Economic Forum (WEF) in Davos organisiert hat dürfen sie gegen die „Zinsknechtschaft“ der Internationalen „Finanzwelt“ wettern. Selbst ohne den Zusatz "jüdisch" ist dies im Kontext zu antisemitischen Inhalten nicht denkbar. Bei Gesell jedoch lassen sich neben anderen antisemitischen Stereotypen auch das Konstrukt der Verschmelzung von Judentum und Geld eindeutig belegen:
"Die (Gesellsche-) Münzreform macht es unmöglich, daß jemand erntet ohne zu sähen, und die Juden werden durch dieselbe gezwungen werden, die Verwertung ihrer großen geistigen Fähigkeiten nicht mehr in unfruchtbarem Schacher zu suchen, sondern in der Wissenschaft, der Kunst und ehrlichen Industrie."(vgl. Silvio Gesell: Nervus rerum - Fortsetzung zur Reformation im Münzwesen)
In der Arena Sendung zum WEF in Davos vom 17.1.03 sitzt ihr Vertreter Marco Lustenberger für das Oltener Bündnis mit in der Sendung und kann als Freiwirt öffentlich für eine natürliche Wirtschaftsordnung streiten. Ihre Vertreter bedienen sich oft des demagogischen Kniffs, ihr Modell des ungehemmten Wettbewerbs als »Dritten Weg« zu verkaufen. Nicht zufällig hatte die NSDAP diesen „Dritten Weg“ in ihrem Parteiprogramm von 1920 für sich reklamiert. Die einseitige Kapitalismuskritik vieler linker Gruppierungen wie zum Beispiel Attac, der Antiglobalisierungsbewegung und vereinzelten Anarchisten, bietet der rechten Szene genügend Anknüpfungspunkte gegen „Zinsertrag“ und „Bodenspekulation“ ihren sog. "Dritte Weg" als einfache populistische Lösung anzubieten.
1999 schreibt die Landesneofaschismuskommission der Vereinigung der Vertriebenen des Naziregimes (VVN) in Deutschland: „Immer wieder flackert der Streit zwischen Antifas und Freiwirten auf, mal in dieser, mal in jener Stadt .. Problemstellung: Aktive AntifaschistInnen werden immer wieder mit einer politischen Richtung konfrontiert, die sich auf die Lehren Silvio Gesells beruft, eine angeblich »natürliche« Wirtschaftsordnung anstrebt und unter den Slogans »Freigeld und Freiland« die Möglichkeit des Geldhortens im Kapitalismus als das Übel der Welt anklagt. Die Nähe von Gesells Ideen zum Nationalsozialismus (»Brechung der Zinsknechtschaft«) sind offenbar. Gesells Werk strotzt denn auch von Sozialdarwinismus und Rassismus. Seine Anhänger sympathisierten stark mit den Nazis, hier besonders mit dem Strasser-Flügel. Diese Verbindung zum SA-Flügel des Neofaschismus hat sich bis heute gehalten.“
Die Illusion der GesellianerInnen, eine "Marktwirtschaft ohne Kapitalismus", basiert auf drei Säulen: Freiland, Freihandel und Freigeld. Zusammen bilden sie die Elemente einer "natürlichen Wirtschaftsordnung". Sie sei "eine Ordnung, in der die Menschen den Wettstreit mit der ihnen von der Natur verliehenen Ausrüstung auf vollkommener Ebene auszufechten haben, wo darum dem Tüchtigsten die Führung zufällt, wo jedes Vorrecht aufgehoben ist und der Einzelne, dem Eigennutz folgend, geradeaus auf sein Ziel lossteuert; ohne sich in seiner Tatkraft durch Rücksichten ankränkeln zu lassen". (vgl. Silvio Gesell, Die Natürliche .., (Anm. 211), S. XVII)
Das Freiland-Konzept dient eugenischen Zielen. Die Pachtzahlung erfolgt zunächst an den Staat »und wird restlos an die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt« (NWO, S. 72), als »Mutterrente«. Die »Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft« ist laut Gesell »die glücklichste Lösung der Frauenfrage« (NWO, S. 92), weil die dadurch gegebene ökonomische Sicherheit den Frauen »das freie Wahlrecht .. und zwar nicht das inhaltsleere politische Wahlrecht, sondern das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb der Natur« (NWO, S. XXI) garantiert. Die Frauen gleichen damit den schädlichen Einfluss der Medizin aus die, die »Erhaltung und Fortpflanzung der fehlerhaft geborenen Menschen« (NWO, S. XXI) bewirkt. (Aus Antifaschistische Nachrichten 16/1997)
Wer war Silvio Gesell?
Gesell wurde am 7. März 1862 in St. Vith in Belgien geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in Malaga und lebte in Argentinien, der Schweiz und in Deutschland. 1887 eröffnete er in Buenos Aires ein Geschäft. Die argentinische Finanzkrise von 1890 ließ ihn volkswirtschaftliche Studien anstellen. Gesell arbeitete als Kaufmann bzw. bewirtschaftete in der Schweiz ein Landgut. 1891 erschien seine erste Schrift "Die Reformation im Münzwesen als Brücke zum sozialen Staat", in der er erstmals die "Idee des rostenden Geldes" formuliert. Um seine Ideen zu verwirklichen, beteiligt sich Gesell an dem 1909 gegründeten Physiokratischen Kampfbund. 1914 erwägt er, als Kriegsfreiwilliger ins deutsche Heer einzutreten, zieht sich dann aber auf sein Schweizer Landgut zurück. (biographische Daten vgl. Siegbert Wolf, Silvio Gesell. Eine Einführung in Leben und Werk eines bedeutenden Sozialreformers, Hannoversch-Münden 1983; Richard Stöss Hrsg., Parteienhandbuch .. Band 2, Anm. 43 S. 1397)
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Gesell in der Lebensgemeinschaft Oranienburg-Eden. Die Siedlung Eden wurde 1893 von LebensreformerInnen und VegetarierInnen gegründet und war zu Beginn "keine völkische Siedlung", doch 1916, als Gesells Hauptwerk "Die Natürliche Wirtschaftsordnung" erschien, war dies nicht mehr so. George L. Mosse, Professor für neue Geschichte an der Madison University in Jerusalem beschreibt in seinem Standardwerk "Die völkische Revolution" die Bedeutung der Siedlung Eden für den völkischen Strang zum NS-Faschismus. Danach verband Carl Russwurm, der Führer von Eden, die germanischen Grundlagen des Freiheitsbegriffs mit Silvio Gesells Freiland- und Freigeld-Theorien. Die Siedler feierten germanische Rituale, "heidnische" Weihnachten und Sonnwendfeiern. Von Eden gingen die Gründungen anderer völkischer Siedlungen aus, die den "geistigen Adel deutschen Bluts" fördern sollten und "die Pflege garmanischen Weistums". "Außer vegetarischer Ernährung", heißt es im Programmheft von Eden 1917, war zum "natürlichen Leben" in der "alternativen Kommune" die rechte Einstellung Bedingung. (vgl. Louis Lerouge, Links und Rechts kann man nicht verwechseln - oder doch?, in Contraste 106/107, Juli/August 1993) Silvio Gesell verbrachte – allem Leugnen seiner heutigen Fans zum Trotz - seinen Lebensabend in einer völkisch-rassistischen, antisemitischen Kommune, die schon vor Durchsetzung des NS-Faschismus einige seiner zentralen Elemente zu ihrem Inhalt gemacht hatte. (vgl. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei)
Die AnhängerInnen Silvio Gesells behaupten, dessen eugenische und sozialdarwinistische Positionen würden sich aus "jener Zeit" erklären, als wären antisemitische, völkische, eugenische und sozialdarwinistische Positionen damals etwas "Natürliches" gewesen. Diese Rechtfertigungen geben erstens Aufschluß über die historische Unwissenheit oder die Unehrlichkeit derjenigen, die sie gebrauchen. Zweitens taugen sie nicht, um zu begründen, weshalb heute eineR Gesells Ideologie propagiert. (vgl. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei)
Der Mythos: Gesell und die Münchner Räterepublik von 1919
Gesells Verwicklung in die Münchner Räterepublik dient seit Jahrzehnten zur pauschalen Entlastung von den Vorwürfen des völkischen Biologismus. Alle, die in Silvio Gesell einen halben oder ganzen Anarchisten sehen wollen, weil er 1919 sieben Tage Volksbeauftragter für Finanzen der Bayerischen Räteregierung war, straft Gesell selbst Lügen. Auch die Legende, Erich Mühsam habe Gesell in die Räterepublik geholt, ist eine Erfindung von SchönschreiberInnen. Nach der Niederschlagung der Rätebewegung durch die Freikorps Anfang Mai 1919 wird Gesell verhaftet und vor Gericht gestellt. Während andere hingerichtet wurden oder lange Jahre in Zuchthäusern verschwanden, kam Gesell frei. (vgl. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei)
Auszüge aus seiner damaligen Verteidigungsrede: .. Daß diese Räteregierung mich als Finanzmann erwählte, war für mich ein Beweis, daß es sich nicht oder noch nicht um Bolschewismus oder Kommunismus handelte .. Denn eine Teilung des Volkes in hohe, mittlere und niedre Schichten bedeutet völkischen Verfall. Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, daß er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut. .. Irgend ein Verrat an Parteibestrebungen lag hier nicht vor. Niekisch und Landauer, die meine Wahl vorgeschlagen, wußten, was sie taten, wußten, daß ich keine Puppe bin. Sie kannten meine Ziele, die den Kapitalismus, die Zinsknechtschaft bekämpfen, aber eben so sehr den Kommunismus, die Gemeinwirtschaft. ..
Der Schweizer Freiwirtschaftsbund (SFB)
Während in Deutschland die Freiwirte scharenweise zu den Nazis überliefen, erlebte die NWO-Bewegung in der Schweiz in diesen Jahren ihren Aufstieg. Markus Schärrer berichtete vom SFB, seit Ende 1932 und Frühjahr 1933 sei "ein sprunghafter Anstieg seiner Aktivitäten und Publikumswirksamkeit zu verzeichnen gewesen, absolut synchron mit den faschistischen und parafaschistischen Fronten und Bünden" (vgl. Markus Schärrer, Geld und Bodenreform als Brücke zum sozialen Staat, Die Geschichte der Freiwirtschaftsbewegung in der Schweiz 1915 - 52, Zürich 1983, S. 199)
In seinem Buch zur NWO-Bewegung von 1994 schreibt der nationalrevolutionär Günter Barsch folgendes beschönigend in die Zeilen von Markus Scherrer hinein: „War diese anzügliche Gleichsetzung berechtigt? Es handelte sich eher um eine analoge als um eine synchrone Entwicklung, ähnlich dem gleichzeitigen Anwachsen der NSDAP und KPD-Wählerschaft in Deutschland. Allerdings haben Schweizer Freiwirtschaftler ein Gespräch mit Mussolini geführt, um ihn von den Vorzügen der Freiwirtschaft auch für Italien zu überzeugen. Durch ihre größere Bodenständigkeit und Volksverbundenheit sowie durch ihr positives Verhältnis zur Schweizer Geschichte waren sie jedoch weit weniger der Versuchung des Faschismus ausgesetzt als ihre deutschen Gesinnungsfreunde durch das Wirtschaftsprogramm der NSDAP. .. Hans Konrad Sonderegger, damals noch protestantischer Pfarrer im Engadin, verstand es besonders gut, die recht schwierige Zins- und Geldtheorie Gesells allgemeinverständlich darzulegen. Aus dieser Vortragskampagne gingen die freiwirtschaftlichen Freischaren hervor, deren Leitung Sonderegger übernahm. Es handelte sich hierbei nicht um ein Freikorps oder um eine SA-ähnliche Formation - wie Markus Schärrer unterstellte - vielmehr um freiwillige Aktivisten, die organisatorische Kleinarbeit übernahmen.“ (vgl Günter Barsch, Die NWO-Bewegung)
Bei den Bernischen Kantonalratswahlen vom Juli 1934 entfielen auf Sonderegger fast 35 Prozent der Stimmen; bei einer Zweitwahl schnitt er noch besser ab und zog ins eidgenössische Parlament ein. Die folgenden Wahlen brachten dem SFB weniger Stimmen, doch eroberte er zwei Sitze im Berner Gemeinderat. .. Im Juni 1940 war er auch auf ein Arrangement mit den Achsenmächten aus, damit die Schweiz bei der Neuordnung Europas beteiligt werde, was nach Umbildung der Landesregierung "nur noch ein Freiwirtschaftler besorgen" könne. (vgl. H. K. Sonderegger, Brief an Andreas Gadient v. 4.7.1940)
Heute versucht die rechte Gesellianer Szenen über den Internationalen Strang der INWO ihr Image der Vergangenheit aufzupolieren. Die Schweiz scheint ihr ein geeigneter Ort die Geschichte umzudeuten und sich von der eigenen braunen Vergangenheit in Österreich und Deutschland los zu sagen. Fleissig wird daran gebastelt - Gesell der eine Zeit in der Schweiz gelebt hat - als eine Neutrale Eidgenössische Erfindung darzustellen und die Schweizer Freiwirtschaftsströmung als das Urgestein der Bewegung erscheinen zu lassen. Mit dem Verweis, hier sei alles anders und die ehernen Ziele der Freiwirte nicht von den „Nazis missbraucht“ worden, lässt sich schon eher ein Neuanfang machen. Grade nachdem besonders deutschen Freiwirten Antifaschistischer Widerstand entgegen schlägt und sie von ihrer braunen Vergangenheit schneller eingeholt werden, als ihnen lieb ist.
Einige Kontakte der INWO Schweiz zur deutsch-braunen Szene
Klaus Schmitt früher Herausgeber der anarchistischen Zeitschrift „agit 883“ aus Berlin, feiert Gesell unter dem Titel "Geldanarchie und Anarchofeminismus" als Nachfolger Proudhons. Besonders schätzt Schmitt die Freiland-Idee: Der gesamte Boden solle von einem "Bund der Mütter" verwaltet und an Meistbietende verpachtet werden. Die Pachteinnahmen gehen an die Mütter und ihre Kinder. Gesell habe dies als Beitrag zur "biologischen und kulturellen Fortentwicklung der Menschheit" verstanden, als Möglichkeit den potentiellen Vater auch unter eugenischen Gesichtspunkten auszuwählen. "Immerhin ist dieser Gedanke einer für die Gesunderhaltung des Erbguts und für die Evolution der menschlichen Art vorteilhaften und von den betroffenen Individuen selbstbestimmten Eugenik eine diskutable Alternative zu den auf uns zukommenden, von Staat und Kapital fremdbestimmten Genmanipulationen", schreibt Schmitt. (vgl. Peter Bierl ist Mitglied der Ökologischen Linken und Co-Autor des Buches "Ganzheitlich und ohne Sorgen in die Republik von morgen" mit Beiträgen u.a. von Thomas Ebermann und Colin Goldner zu Antisemitismus, Irrationalismus und Esoterik)
1994 wurde Klaus Schmitt von der schweizerischen Sektion der INWO in die Schweiz eingeladen. Er sollte in der Shedhalle in Zürich einen Vortrag halten. Die Rote Fabrik widmete Gesell eine ganze Ausgabe ihrer Fabrik Zeitung. Als Klaus Schmitt aber noch vor der Veranstaltung "von den Vorzügen der 'Zuchtwahl' und der 'Eugenik'“ zu faseln begann, wurde er von den Kuratorinnen der Shedhalle zurechtgewiesen und trat daraufhin noch vor seinem Vortrag die Heimreise an". (vgl Christoph Kind, Rostende Banknoten. Silvio Gesell und die Freiwirtschaftsbewegung, Beute 4/1994 S. 114 ff. Und Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei)
Die INWO Schweiz lud Helmut Creutz im April 2002 zu einer Veranstaltungen unter dem Titel, „Aktuelle Problementwicklungen in Deutschland“ nach Schaffhausen ein. Helmut Creutz, Grüner aus Aachen, war Mitglied der rechtsextremen Freie Sozialen Union (FSU). Die deutsche Partei beruft sich ausdrücklich auf die Lehren Gesells. Außerdem arbeitete er mit den LSI (Lebensschutzinformationen), einem Organ des rechtsextremen Weltbunds zum Schutz des Lebens (WSL) zusammen. Creutz trat als Referent im Collegium Humanum, der Bildungsstätte des WSL, auf. (vgl. Justus H. Ulbricht, Grün als Brücke zu Braun?, in: Politische Ökologie, Special "Grün Heil", Nov./Dez. 1993 Und Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei)
Speziell als Einstieg zu empfehlen ist das Buch von Margrit Kennedy, „Geld ohne Zinsen und Inflation“ heisst es auf der Homepage der INWO Schweiz. Margrit Kennedy gehört zur esoterischen Szene. Sie hat Kontakt zur esoterischen Sekte Findhorn, und sie tritt bei der sexistisch-autoritären Sekte ZEGG auf. Im Juli 1993 referierte sie im Rahmen der Vorlesungsreihe des Ökofaschisten Rudolf Bahro an der Berliner Humboldt Universität. (vgl. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei)
Für die Mitarbeit an ihrem Buch bedankt sie sich artig bei dem Japanischen Gesellianer Yoshito Otani auf den sich Margrit Kennedy auch sonst gerne bezieht. Yoshito Otanis Buch „Untergang eines Mythos“ für das in der rechten Partei Zeitschrift der FSU „Der Dritte Weg“ oder von den Christen für eine Gerechte Wirtschaftsordnung (CGW) geworben wird, stellt die Vernichtung der Jüdinnen und Juden infrage, zweifelt an der Existenz der Gaskammern in Auschwitz und leugnet die Kriegsschuld der Deutschen. Selbst am Ersten Weltkrieg seien "jüdische Banken" schuld. Otani bezeichnet die antisemitische Fälschung "Protokolle der Weisen von Zion", die angebliche Weltherrschaftspläne der Juden beinhaltet, als wahr. (vgl. Volkmar Woelk, Natur und Mythos, Duisburg, 1992, S.22, Geden, a.a.O., S. 162ff. Und Peter Briel „Gesell und Antisemitismus“) Otanis Werk kann auch über die Homepage in Österreich direkt über INWO bezogen werden.
Anhänger wie Margrit Kennedy und Werner Onken betonen auch gerne, das Gesell "die soziale Frage in Freiheit lösen wollte um dem Kommunismus seine Attraktivität als Alternative zum Kapitalismus zu nehmen". (Margrit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation. Ein Tauschmittel, das je- dem dient, überarbeitete und erweiterte Ausgabe, München 1994, S. 184)
1994 informierte der Arbeitskreis „Volksgeld“ in der NPD seine Mitglieder in Hessen darüber: „Volkseigenes Geld und Silvio Gesell- warum Reformer miteinander sprechen sollten: Silvio Gesell, deutscher Wirtschaftsreformer (1862-1930) fand für seine „Freiwirtschaftslehre“ in den 20er und Anfang der 30er Jahre zahlreiche Anhänger. Diese gründeten nach seinem Tod verschiedene Gruppen, darunter als Dachverband die INWO. .. Wenn er (Gesell) statt gesellschaftlich = volkseigenes (Geld) geschrieben hätte, dann hätte er die gleiche Lösung gefunden wie Heinrich Färber. .. Aber diesen Gedanken vertieft er leider nicht. Statt dessen entwickelt er die Lösung mit dem Schwund Geld mit allem bürokratischen Beiwerk. .. Diese Gesellsche Hauptforderung (Geldausgabe zu Steuerzwecken) wurde schon vor seinem Tode weitgehend verschwiegen, weil die Gesellvereinigungen und Publikationen jede Nähe zu ähnlichen nationalen Forderungen vermeiden wollten. .. Wegen Offenkundigkeit wird man in der BRD bestraft, wenn man den gelehrten „Holocaust“ mit Gegenargumenten bzw. Beweisen opponiert. Genauso wie der Holocaust offenkundig ist, ist für konsequent Denkende offenkundig, wer meist hinter den Banken steht. Dies zu nennen ist gefährlich.“ (NPD Hessen, Albert Lämmel, „Für den Arbeitskreis Volksgeld“)
In der Logik der NPD bewegt sich auch die Ideologie der Freiwirte. Mit der einfachen Formel „Kapitalismus sei Zinswirtschaft“ wird das böse „Finanzkapital“ für „den konsequent Denkenden offenkundig“. Die Hetze braucht also keine Namen, sie wird historisch durch den Antisemitismus fortlaufend bedient. Es fragt sich nur was einige Linke dazu treibt sich der Lehre Gesells anzunehmen?
Obskure Lehre für linke Gemüter
Die INWO ist von Anfang an im Oltener Bündnis dabei und nutzt diesem Rahmen zur Durchführung von Öffentlichkeitsarbeit und Seminaren. Bereits vor 2 Jahren wurde das Oltener Bündnis vor diesen Freiwirten gewarnt und auch in diesem Sommer (2003) gab es eine offizielle Anfrage von einer Frau von Attak zu diesem Thema. Das Oltener Bündnis sitzt das Problem aber lieber aus, anstatt sich Inhaltlich mit dieser Problematik zu befassen. Tisch an Tisch mit der Schweizer Anti-WTO-Koordination können Freiwirte über „Zinsknechtschaft“ herziehen und in diesem Bündnis gegen das böse „Finanzkapital“ nach Davos mobilisieren. Niemand scheint sich zu wundern was da abläuft und mit welcher Selbstverständlichkeit rechtes Gedankengut in linke Kreise Einzug hält. Doch leider ist es immer wieder der Fall das Freiwirte bei linken Gemütern auf Verständnis stossen!
Eine nicht so rühmliche Auseinandersetzung stammt von Jutta Ditfurth mit ihrem Buch „Entspannt in die Barbarei“ das 1997 im Konkret Verlag erschien. Wohl deshalb, weil Jutta Ditfurth gegen den anarchistischen Karin Kramer Verlag ausholt und ihn mit den Adjektiv Faschistisch in Verbindung brachte, weil dort 1989 das Buch „Silvio Gesell. Marx der Anarchisten?“ erschien. Der ehemalige Anarchist Klaus Schmitt und „agit 883“ Herausgeber hatte diese Buch zusammen mit dem nationalrevolutionär Günter Barsch verfasst. Scheinbar blieb dem Verlag der Sinneswandel eines Klaus Schmitts verborgen dessen Anliegen heute auch die Teil-Entnazifizierung der NSDAP ist, Zitat: "Die linken Nazis vertraten zwar eine staatsozialistische und - ähnlich wie der faschistische, konservative und rassistische Flügel der NSDAP - eine antisemitische Position, wendeten sich jedoch entschieden gegen das Finanz- und Bodenkapital und versprachen dem Proletariat "Arbeit und Brot" und den Kleinbürgern und Bauern die "Brechung der Zinsknechtschaft"." Ihr Erfolg, sagt Schmitt, habe auch mit ihrem "zinsorientierten Antikapitalismus" zu tun gehabt. Der "Erfolg" dieses "zinsorientierten Antikapitalismus" bei den proletarischen und kleinbürgerlichen Juden und Jüdinnen dürfte in dieser Hinsicht anfänglich geringer, später um so endgültiger gewesen sein.(vgl. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei) Trotz ihrer fälschlichen Unterstellungen gegenüber dem Karin Kramer Verlag, ist das Buch von Jutta Ditfurth nach wie vor eine empfehlenswerte Lektüre zu diesem Thema. Die darin enthaltenen Quellen sind bis heute stichfest und nicht widerlegt.
Seit Anfang der 80ziger Jahre haben sich viele Antifaschisten und linke Autoren zu diesem Thema geäussert, das besser unter dem Begriff des „Ökofaschismus“ in weiten Teilen der Linken bekannt wurde. Wie so oft drohten die Freiwirtschaftler nach jeder Veröffentlichung mit rechtlichen Schritten gegen Autoren und Verlage vorzugehen. Heute nach all den Jahren lässt sich aber feststellen, das keine rechtlichen Schritte eingeleitet wurden und sich die Freiwirtschaftler damit begnügen müssen historische Tatsachen weiterhin falsch zu interpretieren.
Zürich im November 2003




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  Unverständliche Kritik?
13.12.2003 10:07  
Zuerst sollte man Silvio Gesell lesen und nicht das Wort von dieser stumpfsinnigen Kritik glauben.

Links können via Google gefunden werden.
Z.B.
 http://ourworld.compuserve.com/homepages/ruetten/Gesell.htm
oder auf Englische sein Werk "The NATURAL ECONOMIC ORDER" unter...
 http://www.systemfehler.de/en/neo/

Er wird haupsächlich von den Linken kritisiert, da er den Blödsinn von Marks et al klar durchgesehen hat.
Dieser Kommentar ist wahrwscheinlich Grund genug, um diesen Beitrag zu löschen !!




AutorIn: Der Beobachter
  jaja, genau
13.12.2003 10:37  
genau und mensch muss auch "mein kampf"lesen, um den faschismus kritisieren zu können.
und adam smith ist ja bekanntlich die einstiegslektüre für angehende antikapitalistInnen...


AutorIn: irgendwer
  Woher Kenntnisse?
13.12.2003 11:31  
... aus die Lekture von Hochschule-Professoren???

Schade, dass Du den Grundbegriff von Bildung nicht verstehst!


AutorIn: Der Beobachter
  moment mal...
13.12.2003 14:55  
Ufff - schwere Kost, was da aufgetragen wird. Oekofaschos zusammen mit Eugenikern und "Blut und Boden"-Theoretikerinnen und was weiss ich.

Aber was ist mit uralten Forderungen wie:

- Mit Boden soll nicht gehandelt werden (sprich: spekuliert), weil es eine begrenzte, nicht produzierbare Ressource darstellt ? So wenig ich weiss, will eine "natürliche Wirtschaftsordnung" allen Boden verstaatlichen und bloss langfristig (99 Jahre oder so) verpachten. Wieso wird eine solche Utopie nie auch nicht ansatzweise diskutiert ?
- Das Geld soll "verrosten"... Wieso wird diese Analogie nicht hervorgehoben ? Das Bild, dass wer Geld hat gegenüber allen Anderen, die (verderbliche) Waren anbieten, absolut im Vorteil ist, ist doch sehr treffend für das Grundübel des Kapitalismus, wo die Reichen bloss ihre Vermögen geschickt "parkieren" müssen, während z.B. Campesinos immer weniger für ihren Kaffee bekommen.


Es ist wahr, dass das Wettern über die "Zinskechtschaft" sehr sehr schnell gefährlich wird, nämlich traditionsgemäss ins Antisemitische schliddert. Vor allem zu den Zeiten Gesells - aber auch heute. Aber darf jetzt nicht mehr über Zinsen geredet werden ? Wegen einigen Faschisten, die irgendeine internationalistische Weltverschwörung wittern ?

Die Zinsen sind ein Problem, vor allem die Wucherzinsen. Wer reich ist wird immer reicher, ohne mit dem Finger zu rühren. Da spielt doch die Religionszugehörigkeit doch keine Rolle! Der Kapitalismus lebt von diesem Mechanismus: Ich geb dir heute Geld, damit du dir jetzt etwas leisten kannst und deine lebensqualität verbessern kannst, du zahlst es mir dann bequem zurück (mit zins).

Ich habe den Eindruck, dass hier Gesell und seine obskure Äusserungen zum Anlass genommen werden, gleich jede Kritik am Kapitalismus zu ersticken. Das kann doch nicht wahr sein ! Wir da nicht das Kind mit dem Bad ausgeschüttet ?


AutorIn: vision zero
  @vision Zero u.a.
13.12.2003 16:15  
Natürlich hast du teilweise recht - die Bodenverteilung / Mietspekulation / Finanzspekulation sind abzulehnen, aber: Gesell bleibt bei seiner Kritik hier stehen, andere Eigentumsverhältnisse werden nicht angetastet: zwar wendet er sich gegen den Zins, dem er alles Übel zuschreibt, aber z.B. den Besitz an Produktionsmittel möchte er nicht aufheben, was ein zentraler Bestandteil kapitalistischer Ausbeutung ist. Die Argumentation geht dann in die Richtung, daß die UnternehmerInnen dazu gezwungen sind, aus den ArbeiterInnen mehr rauszupressen um die Zinsen zu zahlen. Sorry, mein Boß verdient ein vielfaches von meinem Gehalt und ist kein armes Schwein, das soooo unter den Banken und den Zinsen zu leiden hat. Deswegen ist die Kritik Gesells am kapitalistischen System "verkürzt", sie bezieht sich ausschließlich auf den Finanzkapitalismus und trifft sich hier mit der "Kapitalismuskritik" der NSDAP (die von ATTAC ist auch nicht viel besser).

Ich denke mir mal, dass es durchaus auch moderne Interpretationen der Gesellschen Wirtschaftskritik gibt, die seine übelsten gesellschaftspolitischen Vorstellungen nicht teilen oder sich klar davon distanzieren (sich also ausschließlich auf seine wirtschaftlichen Ideen beziehen - etwa vom Anarcho Gerhard Senft). Sie sprechen zwar mit Zins und Bodenverteilung zwei Probleme des Kapitalismus an - für eine Analyse dieses Scheißsystems oder eine anarchistische gesellschaftliche Alternative taugen sie aber nicht, weil sie den zentralen Widerspruch zwischen BesitzerInnen von Produktionsmitteln und ArbeiterInnen nicht einbeziehen. Soll heißen: nicht jedeR, der / die sich auf Gesell bezieht, ist einE Fascho, viele aber schon...



Noch ein ausführlicher Beitrag von www.idgr.de


Silvio Gesell

Kaufmann, wirtschaftstheoretischer Autodidakt. (1862-1930)

Gesell entdeckte erst spät sein Interesse für volkswirtschaftliche Fragen. Als Vorsitzender des Deutschen Erneuerungsbundes und leitendes Mitglied der Obstbauansiedlung "Kolonie Eden" in Oranienburg ist er der Völkischen Bewegung zuzuordnen. Sein Hauptwerk, die "Natürliche Wirtschaftsordnung" (NWO), erschien 1916 und bildet die Grundlage der Freiwirtschaftslehre. Silvio Gesell gilt als Vertreter eines völkischen Antikapitalismus, dessen Ideen u.a. von dem NS-Wirtschaftstheoretiker Gottfried Feder übernommen wurden.

Die Schriften Gesells werden mit anderen Beiträgen zur Freiwirtschaftslehre in der Freiwirtschaftlichen Bibliothek in Varel in Niedersachsen archiviert und ausgewertet. Vor allem die Silvio-Gesell-Gesellschaft bemüht sich durch Veröffentlichungen um Distanzierungen vom rechtsextremen, antisemitischen Spektrum innerhalb der Freiwirtschaftsszene, insbesondere zur Freisozialen Union. Allerdings würdigt sie Gesell ausdrücklich als Humanisten.

Gesells Ziele waren aber weder in erster Linie wirtschaftspolitischer Art noch humanistischer Natur, die Einführung von "Freigeld" und "Freiland" sollte hauptsächlich der Umsetzung sozialdarwinistischer und eugenischer Forderungen dienen, die sich in allen Schriften Gesells finden lassen: So wendet er sich gegen medizinischen Fortschritt, weil dies die Auslese der fehlerhaft geborenen Menschen verlangsame, und das Christentum stehe mit seiner Barmherzigkeit ebenfalls dem "Kampf ums Dasein" und der Auslesekraft der Natur im Wege. Gesells Nähe zu den eugenischen Inhalten des Nationalsozialismus ist besonders in seinen Vorstellungen von der "Hochzucht" nachzulesen: Um den wahren Menschen zu züchten, müsse man erst einmal das Geld abschaffen, denn bisher hätten Frauen ihren Gatten immer unter ökonomischen Gesichtspunkten gewählt und so zur "Fehlzucht" beigetragen. Wenn aber der Boden vergesellschaftet und aus dem Pachtzins den Frauen ein "Mutterlohn" gezahlt würde, dann könnten bei der Gattenwahl "die geistigen, körperlichen, die vererbungsfähigen Vorzüge statt des Geldsackes den Ausschlag geben. So kämen wieder zu ihrem Wahlrecht, und zwar nicht zum wesenlosen politischen Wahlrecht, sondern zum großen Zuchtwahlrecht." Silvio Gesell war niemals - wie heute immer noch von seinen Anhängern behauptet - als Humanist an echter Gleichstellung, sondern vorrangig an seinem "Hochzuchtideal" interessiert.

Daß man bei Gesell kein explizit "arisches Ideal" findet, war im Umfeld der Völkischen Bewegung gar nicht nötig, um dennoch die Vorstellung der Überlegenheit der weißen Rasse zu vermitteln. Gesell legte seine diesbezüglichen Vorstellungen durchaus auch schriftlich nieder: so empört er sich vor allem über die "schwarzen, wimmelnden Arbeitermassen" in den USA und fürchtet, daß dort die Neger eines Tages die Oberhand gewinnen könnten. Auch seine Zugehörigkeit zur Obstbauansiedlung Eden - von Lebensreformern gegründet war dort bereits 1917 "deutsches Ariertum" die Aufnahmebedingung - und zum Deutschen Erneuerungsbund sind Belege dafür, dass Silvio Gesell weit entfernt von jedem internationalistischen Denken sehr wohl von der Höherwertigkeit seiner eigenen "Rasse" überzeugt war.

Ähnliches gilt auch für Gesells Antisemitismus: Kapitalismuskritik, die sich ausschließlich gegen die Nutznießer von Zinsen richtet, ist im völkischen Kontext ohne die Nähe zu antisemitischen Inhalten nicht denkbar, denn zwischen diesem Antikapitalismus und dem Feindbild der "jüdischen Finanzmacht" waren die Übergänge fließend. Wesentlich ist auch hier nicht, ob sich Gesell gelegentlich gegen die Verfolgung von Juden ausgesprochen hat - was häufig zu seiner Verteidigung angeführt wird - sondern welche Stereotypen er in diesem Zusammenhang reproduziert: die Vorstellung von der "großen jüdischen Geisteskraft", die durch eine andere Wirtschaftsordnung in die richtigen Bahnen gelenkt werden könne, der Gegensatz vom "raffenden" und "schaffenden" Kapital, die "Wesensverwandtschaft" der Juden mit dem Geld stehen für ihn fest, und man müsse nur die Möglichkeit zur Zinswirtschaft abschaffen, dann würden die Juden sich gezwungen sehen, ihren Lebensunterhalt durch "ehrliche Arbeit" zu bestreiten.

So kontrovers die Diskussion um die Freiwirtschaftslehre auch geführt werden mag, ihrem Begründer Silvio Gesell waren Sozialdarwinismus, Rassismus und Antisemitismus weit näher als emanzipatorische, auf soziale Gleichheit ausgerichtete Politikinhalte.


AutorIn: Anarcho
  Einseitig und demagogisch
10.01.2004 04:26  
Die Kritik ist von einer unglaublichen Einseitigkeit.

"So kontrovers die Diskussion um die Freiwirtschaftslehre auch geführt werden mag, ihrem Begründer Silvio Gesell waren Sozialdarwinismus, Rassismus und Antisemitismus weit näher als emanzipatorische, auf soziale Gleichheit ausgerichtete Politikinhalte."

Dies zeugt von der Kenntnis Gesells vor allem aus freiwirtschaftsfeindlichen Texten. Gesells theoretische ökonomische Leistungen werden im obigen Text kaum erwähnt. Aus den Äusserungen des Autors wird auch klar, dass er den freiwirtschaftlichen Ansatz zu Überwindung des kapitalistischen Mehrwerts nicht kapiert hat oder zumindest nicht akzeptieren will. Mit einer solch negativen Haltung gegenüber Gesell wird es auch kaum möglich sein, seine ökonomischen thoeretischen Leistungen zu verstehen. Nur soviel: Gesells theoretischen Leistunen stehen weit im Vordergrund im Verhältnis zu einigen späteren fragwürdigen Äusserungen. Sonst hätten sich wohl kaum Ökonomen wie Irwing Fisher und J. M. Keynes auf ihn berufen.

Die Geschichte hat bereits bewiesen, dass Gesell weit realitätstauglichere Visionen einer stabilen und gerechten Wirtschaftsordnung formuliert hatte als Marx, was Marxisten und Sozialisten bis heute kaum verschmerzen können. Marx legte zudem mit der antidemokratischen "Diktatur des Proletariats" den Grundstein zum Stalinismus.



AutorIn: Lügendetektor
  Lügen
20.01.2004 18:35  
dieser artikel muss gelöscht werden. es gab zu diesen zeiten tatsächlich antisemitische kritik derjenigen subjekte, die den charakterzug gierig mit der religion des judentums UND dem zinswesen in zusammenhang brachten. dass silvio gsell je solches geäussert haben würde, ist mir aber nicht bekannt.
der artikel taugt gut zur beseitigung von möglicher kritik am ist-zustand des kapitalismus unter berufung auf silvio gsell, er könnte zu diesem zwecke geschrieben worden sein.
eine solch einseitige meinung kann meiner meinung nach kein kritischer mensch von silvio gsell haben, wenn er ihn gelesen hätte. dazu hat der gute silvio einfach zu viel recht und zu viel witz.

ich empfehle den artikel wegen tendenziöser & verleumdmerischer betrachtung zu löschen.

lest gsell! und wenn ihr irgendwo das wort juden finden solltet, dann lasst es mich wissen ;-)


AutorIn: Sozialist
  tja, leider...
20.01.2004 23:27  
...waren sehr viele Linke dieser Zeit antisemitisch! Um nur einen zu nennen: Proudhon war antisemit, und Sexist auch noch. Aber er hatte auch noch ein paar wirklich gute, emanzipatorische Ideen. Und die werden auch heute noch diskutiert - das ist gut so. Immer, wenn es aber um Gesell geht, dann werden erst mal alle verwerflichen Ideen in seiner Theorie stark hervorgehoben. Kann mir mal wer erklären, wo genau der Unterschied ist, zwischen Gesells und Proudhons Antisemitismus???????


AutorIn: ###
  Robinsonade
20.01.2004 23:44  
hier die fabel von gsell zur veranschaulichung seiner theorie:

DIE FREIGELD-ZINS- ODER KAPITALTHEORIE
5.1. Robinsonade, als Prüfstein für diese Theorie
Als Prüfstein für die Richtigkeit der hier entwickelten Zinstheorie, wie auch, um
dem gerade in dieser Frage so sehr in uralten Vorurteilen befangenen Leser das Ver-
ständnis zu erleichtern, schicke ich folgende Robinsonade voran.
Vorbemerkung. Der Kürze halber lasse ich den hier beschriebenen Darlehnsvertrag
ohne den regelnden Einfluß des Wettbewerbs sich vollziehen. Ließe ich den Wettbewerb
in die Darlehnsverhandlungen eingreifen, etwa so, daß auf einen Darlehnsnehmer (Fremd-
ling) mehrere Darlehnsgeber (mehrere Robinsons) kämen, so würde der Vertrag noch
viel günstiger für den Darlehnsnehmer ausfallen können, als es hier geschieht. - Eine
zweite Voraussetzung ist, daß die beiden Vertragsschließenden die Freiland-Grundsätze
anerkennen, weil deren Nichtanerkennung unter den obwaltenden Verhältnissen zu
Kampf und Raub, nicht zum Vertrage führen würde.

Robinson baute einen Kanal und mußte sich also auf 3 Jahre, der Dauer der ganzen
Arbeit, mit Vorräten versehen. Er schlachtete Schweine, bedeckte das Fleisch mit Salz,
füllte ein Loch in der Erde mit Getreide und deckte es sorgfältig zu. Er gerbte Hirsch-
felle und verarbeitete sie zu Kleidern, die er in einer Kiste verschloß, nachdem er als
Mottenscheuche noch eine Stinktierdrüse hineingelegt hatte.

Kurz, er sorgte nach seiner Ansicht gut für die nächsten drei Jahre.

Wie er nun eine letzte Berechnung darüber anstellte, ob sein "Kapital" für das ge-
plante Unternehmen auch ausreichen würde, sah er einen Menschen auf sich zuschreiten.

Hallo, rief der Fremdling, mein Kahn ist hier zerschellt, und so landete ich auf dieser
Insel. Kannst du mir mit Vorräten aushelfen, bis ich einen Acker urbar gemacht und
die erste Ernte eingeheimst habe?

Wie schnell flogen bei diesen Worten die Gedanken Robinsons von seinen Vorräten
zum Zins und zur Herrlichkeit des Rentnerlebens! Er beeilte sich, die Frage zu bejahen.

Vortrefflich! antwortete der Fremdling, aber ich will dir sagen, Zins zahle ich nicht;
sonst ernähre ich mich lieber von Jagd und Fischfang. Mein Glaube verbietet mir sowohl
Zins zu nehmen, wie auch Zins zu geben.

R.: Da hast du eine prächtige Religion. Aus welchem Grunde aber glaubst du denn,
daß ich dir Vorräte aus meinen Beständen herleihen werde, wenn du mir keinen
Zins gibst?

Fr.: Aus Eigennutz, Robinson; auf Grund deines wohlverstandenen Vorteiles, weil du
dabei gewinnst, und sogar ziemlich viel.

R.: Das, Fremdling, mußt du mir erst vorrechnen. Ich gestehe, daß ich nicht einsehe,
welchen Vorteil ich davon haben kann, dir meine Vorräte zinsfrei zu leihen.

Fr.: Nun, ich will dir alles vorrechnen, und wenn du es mir nachrechnen kannst, so
wirst du mir das Darlehn zinsfrei geben und dich noch bei mir bedanken. Ich
brauche zunächst Kleider, denn du siehst, ich bin nackt. Hast du einen Vorrat
an Kleidern?

R.: Die Kiste ist bis oben voll.

Fr.: Aber Robinson, wirklich, ich hätte dich für gescheiter gehalten! Wer wird denn
Kleider für drei Jahre in Kisten vernageln, Hirschleder, den Lieblingsfraß der
Motten! Außerdem müssen diese Kleider immer gelüftet und mit Fett eingerieben
werden, sonst werden sie hart und brüchig.

R.: Du hast recht, aber wie sollte ich es anders machen? Im Kleiderschrank sind sie
nicht besser geborgen; im Gegenteil, hier kommen Ratten und Mäuse noch zu
den Motten hinzu.

Fr.: Oh! Auch in die Kiste würden die Ratten gedrungen sein, - sieh, da haben sie
schon genagt!

R.: Wahrhaftig! Man weiß sich auch wirklich nicht davor zu retten!

Fr.: Du weißt dich nicht vor Mäusen zu schützen, und du sagst, du hättest rechnen
gelernt? Ich will dir sagen, wie Leute in deiner Lage sich bei uns gegen Mäuse,
Ratten, Motten, Diebe, gegen Brüchigwerden, Staub und Schimmel schützen.
Leihe mir diese Kleider, und ich verpflichte mich, dir neue Kleider zu machen,
sobald du welche brauchst. So bekommst du ebensoviele Kleider zurück, wie du
mit geliefert hast, und zwar werden diese Kleider, weil neu, bedeutend besser sein
als diejenigen, die du später aus dieser Kiste ziehen würdest. Obendrein werden
sie nicht mit Stinktieröl verpestet sein. Willst du das tun?

R.: Ja, Fremdling, ich will dir die Kiste mit den Kleidern abtreten, denn ich sehe ein,
daß es für mich vorteilhaft ist, dir auch ohne Zins die Kleider zu überlassen. (1)

Fr.: Nun zeige mir mal deinen Weizen. Ich brauche solchen sowohl zur Saat wie für
Brot.

R.: Dort am Hügel habe ich ihn vergraben.

Fr.: Du hast den Weizen für drei Jahre in einem Erdloch vergraben? Und der Schimmel,
die Käfer?

R.: Das weiß ich, aber was sollte ich machen? Ich habe die Sache nach allen Seiten
überlegt und nichts Besseres für die Aufbewahrung gefunden.

Fr.: Nun bück' dich mal! Siehst du die Käferchen an der Oberfläche herumspringen?
Siehst du das Gemüll? Und hier diese Schimmelbildung? Es ist die höchste Zeit,
daß der Weizen herausgehoben und gelüftet werde.

R.: Es ist zum Verzweifeln mit diesem Kapital! Wenn ich doch nur wüßte wie ich
mich verteidigen soll gegen diese tausendfältigen Zerstörungskräfte der Natur.

Fr.: Ich will dir sagen, Robinson, wie wir das bei uns zu Hause machen. Wir bauen
einen luftigen, trockenen Schuppen und schütten auf den gut gedielten Boden
den Weizen aus. Und regelmäßig alle drei Wochen wird der Weizen sorgfältig
gelüftet, indem wir mit Schaufeln das Ganze umwerfen. Dann halten wir eine
Anzahl Katzen, stellen Fallen auf, um die Mäuse zu fangen, versichern das Ganze
gegen Feuer und erreichen so, daß der jährliche Verlust an Güte und Gewicht
nicht mehr als 10 % beträgt.

R.: Aber bedenke doch, diese Arbeit, diese Kosten!

Fr.: Du scheust die Arbeit und willst keine Kosten? Ich will dir sagen, wie du es dann
anfangen mußt. Leihe mir deinen Vorrat, und ich werde dir das Gelieferte aus
meinen Ernten in frischem Getreide zurückzahlen, und zwar Pfund für Pfund,
Sack für Sack. So sparst du die Arbeit, einen Schuppen zu bauen, brauchst das
Getreide nicht umzuschaufeln und keine Katzen zu füttern, verlierst nichts am
Gewicht und hast statt alten Korns immer saftiges, frisches Brot. Willst du?

R.: Mit tausend Freuden nehme ich den Vorschlag an.

Fr.: Also du lieferst mir das Korn zinsfrei?

R.: Versteht sich, zinsfrei und mit Dank meinerseits.

Fr.: Ich kann aber nur einen Teil gebrauchen, ich will nicht alles haben.

R.:Wenn ich dir nun den ganzen Vorrat anbiete, mit der Maßgabe, daß du mir für
je 10 Sack nur 9 zurückzugeben brauchst?

Fr.: Ich danke, denn das hieße ja mit Zins arbeiten - zwar nicht mit aufschlagendem
(positivem), sondern mit kürzendem (negativem) Zins -, und statt des Gebers
wäre der Nehmer Kapitalist. Aber mein Glaube verbietet den Wucher, er ver-
bietet auch den umgekehrten Zins. Ich mache dir aber den Vorschlag, deinen
Weizenvorrat unter meine Aufsicht zu nehmen, den Schuppen zu bauen und alles
Nötige zu besorgen. Dafür wirst du mir für je 10 Sack jährlich zwei Sack als Lohn
bezahlen. Bist du damit einverstanden?

R.: Mir ist es gleich, ob deine Leistung unter dem Titel Wucher oder aber als Arbeit
gebucht wird. Ich gebe dir also 10 Sack, und du lieferst mir 8 Sack zurück. Ein-
verstanden!

Fr.: Ich brauche aber noch andere Sachen: einen Pflug, einen Wagen und Handwerks-
zeug. Willst du mir das alles auch zinsfrei überlassen? Ich verspreche, dir alles in
gleicher Güte zurückzuerstatten: für einen neuen Spaten einen neuen Spaten,
für eine neue Kette eine neue, rostfreie Kette!

R.: Gewiß bin ich dazu bereit. Denn jetzt habe ich von all diesen Vorräten nur Arbeit.
Neulich war der Bach übergetreten und hatte den Schuppen überschwemmt, alles
mit Schlamm bedeckend. Dann riß der Sturm das Dach fort, so daß alles verregnete.
Nun haben wir trockenes Wetter, und der Wind treibt Sand und Staub in den
Schuppen. Rost, Fäulnis, Bruch, Trockenheit, Licht und Dunkelheit, Holzwürmer,
Termiten, alles ist unausgesetzt an der Arbeit. Noch ein Glück, daß wir keine
Diebe und Brandstifter haben. Wie freue ich mich, jetzt durch Verleihen die Sachen
so schön und ohne Arbeit, Kosten und Verlust für später verfügbar zu behalten.

Fr.: Also du erkennst es jetzt als einen Vorteil, mir die Vorräte zinsfrei zu überlassen? (2)

R.: Unumwunden erkenne ich es an. Aber warum, so frage ich mich jetzt, bringen
drüben in der Heimat solche Vorräte dem Besitzer Zins ein?

Fr.: Die Erklärung mußt du im Gelde suchen, das drüben solche Geschäfte vermittelt.

R.: Was? Im Gelde soll die Ursache des Zinses liegen? Das kann doch nicht sein; -
denn höre, was Marx vom Geld und Zins sagt: "Die Arbeitskraft ist die Quelle
des Zinses (Mehrwert). Der Zins, der das Geld in Kapital verwandelt, kann nicht
vom Geld herrühren. Wenn es wahr ist, daß das Geld Tauschmittel ist, so tut es
nichts anderes, als die Preise der Waren bezahlen, die es kauft. Wenn es solcher-
maßen unveränderlich bleibt, so nimmt es nicht an Wert zu. Daher muß der Mehr-
wert (Zins), von den gekauften Waren herrühren, die teurer verkauft werden. Diese
Veränderung kann weder beim Kauf noch beim Verkauf stattfinden; in diesen
beiden Handlungen werden Äquivalente ausgetauscht. Es bleibt darum nur eine
Annahme frei, daß die Änderung durch den Gebrauch der Ware nach dan Kauf
und vor dem Wiederverkauf vor sich gehe." (Marx: Das Kapital, Kap. VI.)

Fr.: Wie lange bist du schon auf dieser Insel?

R.: Seit dreißig Jahren.

Fr.: Das merkt man. Du berufst dich noch auf die Wertlehre. Ach, lieber Robinson,
diese Sache ist erledigt. Die Wertlehre ist ausgestorben. Es ist überhaupt niemand
mehr da, der sie vertritt.

R.: Was, du sagst, die Marxsche Lehre vom Zins wäre ausgestorben? Das ist nicht
wahr! Wenn auch sonst niemand mehr da wäre, - ich vertrete sie!

Fr.: Gut, so vertritt sie, doch nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat. Vertritt
sie, wenn du willst, mir gegenüber. Ich trete von dem soeben geschlossenen Handel
zurück. Du hast hier in deinen Vorräten das, was nach Wesen und Bestimmung
als die reinste Form dessen zu betrachten ist, was man gemeinhin "Kapital" nennt.
Ich fordere dich auf, als Kapitalist mir gegenüber aufzutreten. Ich brauche deine
Sachen. Kein Arbeiter ist jemals einem Unternehmer so nackt gegenübergetreten,
wie ich jetzt vor dir stehe. Niemals ist das wahre Verhältnis vom Kapitalbesitzer
zum Kapitalbedürftigen so rein zutage getreten, wie in unserem gegenseitigen
Verhältnis. Nun versuche, ob du von mir Zins erlangen kannst! Wollen wir also
den Handel wieder von vorne anfangen? (3)

R.: Ich verzichte. Die Ratten, Motten und der Rost haben meine kapitalistische Kraft
gebrochen. - Aber sage, wie erklärst du die Sache?

Fr.: Die Erklärung ist einfach. Bestände hier auf der Insel Geldwirtschaft, und ich als
Schiffbrüchiger bedürfte eines Darlehns, so müßte ich mich nach Lage der Dinge
an einen Geldgeber wenden, um die Dinge, die du mir soeben zinsfrei geliehen
hast, zu kaufen. Diesem Geldgeber aber, den Ratten, Motten, Rost, Feuer und
Dachschäden nicht bedrücken, kann ich nicht wie dir gegenübertreten. Den Ver-
lust, der mit dem Besitz der Waren verknüpft ist, - sieh, da schleppt der Hund
einen von deinen, will sagen, von meinen Hirschfellen fort! - den trägt nur der-
jenige, der die Waren aufzubewahren hat, nicht der Geldgeber; diesen berühren
all diese Sorgen und die herrlichen Beweise nicht, mit denen ich dich so mürbe
gemacht habe. Du hast die Kiste mit den Fellkleidern nicht zugeschlagen, als ich
dir jede Zinszahlung verweigerte. Die Natur des Kapitals machte dich zu weiteren
Verhandlungen geneigt. Der Geldkapitalist aber schlägt mir die Tür des Geldschrankes
vor der Nase zu, wenn ich ihm sage, ich würde keinen Zins zahlen. Dabei brauche
ich das Geld an sich ja nicht, sondern die Fellkleider, die ich mit dem Geld kaufen
würde. Die Fellkleider gibst du mir zinsfrei; das Geld dazu muß ich verzinsen!

R.: So wäre die Ursache des Zinses doch im Gelde zu suchen, und Marx wäre im
Unrecht? Auch da, wo er sagt: Im eigentlichen Handelskapital erscheint die Form
'G.W.G.' (Geld - Ware - Mehrgeld) = kaufen, um teurer zu verkaufen, am
reinsten. Anderseits geht seine ganze Bewegung innerhalb der Zirkulationssphäre
vor sich. Da es aber unmöglich ist, aus der Zirkulation selbst die Verwandlung von
Geld in Kapital zu erklären, erscheint das Handelskapital unmöglich, sobald Äqui-
valente ausgetauscht werden, daher nur ableitbar aus der doppelten Übervorteilung
der kaufenden und verkaufenden Warenproduzenten durch den sich parasitisch
zwischen sie schiebenden Kaufmann. Soll die Verwertung des Handelskapitals
nicht aus bloßer Prellerei der Warenproduzenten erklärt werden, so gehört dazu
eine lange Reihe von Mittelgliedern." (Marx, Kapital, 6. Aufl., Bd. I, S. 127.)

Fr.: Hier sowohl wie da ist er vollkommen im Irrtum. Und da er sich im Gelde irrte,
diesem Zentralnerv der ganzen Volkswirtschaft, so muß er überall im Irrtum sein.
Er beging - wie alle seine Jünger es taten - den Fehler, das Geldwesen aus dem
Kreis seiner Betrachtungen auszuschalten.

R.: Das haben mir unsere Verhandlungen über das Darlehn bewiesen. Das Geld ist
für Marx ja auch nur Tauschmittel, aber es tut, wie es scheint, mehr als nur "die
Preise der Waren bezahlen, die es kauft". Daß der Bankmann dem Darlehnsnehmer
den Geldschrank vor der Nase zuschlägt, wenn dieser keinen Zins zahlen will,
und nichts von den Sorgen kennt, die die Besitzer der Waren (Kapital) drücken,
das verdankt er nur der Übermacht, die das Geld an und für sich über die Ware
hat, - und da liegt der wunde Punkt!

Fr.: Wieviel Beweiskraft doch die Ratten, Motten und der Rost haben!



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AutorIn: Sozialist
  hehe
21.01.2004 13:18  
"Das völkische, soweit es in Politik ausgeartet ist, muß bis aufs Messer bekämpft werden (...) Jeder Herabwürdigung anderer Rassen ist mit Kraft entgegenzutreten, so daß alles, was wir sagen und schreiben, ohne weiteres in alle Länder der Weklt, unter alle Völker des Menschengeschlechtes getragen werden kann.(..) Das Kosmische, das Allmenschliche der Freiwirtschaft muß den Geist unseres Kampfes tragen. Die Liebe zum Menschengeschlecht, zu dem von Allen Göttern verlassenen Menschengeschlecht muß das Arsenal liefern, wo wir unsere Waffen herholen im Kampfe mit nationalistischen Anschauungen und Vorurteilen"
(Silvio Gesell: Gesammelte Werke, Bd. 15, Lütjenburg 1994, S.109)


AutorIn: Gselliges Zusammensein :-D
  AKTUELL
25.01.2004 20:15  
Liebe Genossen Freiwirtschaftler!

Es läuft ein freiwirtschaftliches Experiment aktuell!

 http://www.chiemgau-regional.de/

für mehr infos!

richtet eure augen darauf was mit diesem experiment juristisch passiert, denn dies wird es sein woraus wir für die zukunft lernen müssen.

viel glück den chiemgauern mit ihrem mutigen versuch!


AutorIn: Sozialist
  Plumpes Agitproptheater
14.02.2004 06:58  
Der anonyme Beitragschreiber spielt seine Rolle im theatrum mundi offenbar mit Leidenschaft. Notabene: Marionetten hängen bekanntlich an Fäden.

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"Ich erfreue mich an dem glänzenden Stil von Silvio Gesell. ... Die Schaffung eines Geldes, das sich nicht horten läßt, würde zur Bildung von Eigentum in anderer wesentlicherer Form führen." - Albert Einstein

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"...Gesells theoretische Leistung ist aber mit dieser Stille um seinen Fortgang nicht abgetan, und wie bedeutungsvoll die Leistung war, wird dann erkannt werden, wenn sie in der Praxis erprobt werden wird. Gustav Landauer wußte, was er tat, als er vor elf Jahren empfahl, die Revolutionierung des Gekldwesens der Räterepublik Bayern dem an Proudhon geschulten, dabei ganz selbstständigen Denker Gesell anzuvertrauen...

Silvio Gesell war ein sozialer Wegbahner von größtem geistigen Wuchs; der Spott der Börsenpraktiker und das Gelächter der Marxisten können seine Bedeutung als Vorkämpfer gerechter und freiheitlicher Gesellschaftsgestaltung nicht mindern. Die Zeit revolutionärer Verwirklichung wird dem Toten vieles abzubitten haben, was die Zeit dogmatischer Unbelehrbarkeit an dem Lebenden und damit zugleich an sich selbst gesündigt hat. Der Weg der Menschheit zur anständigen Gemeinschaft wird mit mancher Fuhre Erde aus dem Garten Silvio Gesells gestampft sein." - Erich Mühsam

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Es gäbe da auch einige "äusserst liebliche" Zitate über Menschen allgemein sowie explizit über Juden vom "philanthrop'schen" Marx. Ich verzichte aber gerne darauf, solche hier reinzustellen, da ich mir nicht ebenfalls freiwillig Fäden um meine Gliedmassen binde, um mich als demagogische Marionette zu verdingen.

Wen's interessiert:

"Antifa auf dem Holzweg" ( http://www.freiwirtschaft.de/antifa/)


AutorIn: Aideologischer Zinskritiker
  Achja, noch was: "Unschärfe"
14.02.2004 07:10  
"Es ist immer sehr schwierig, über den Wert politischer Ziele zu urteilen, wenn deren Erreichung noch in weiter Ferne liegt. Ich glaube daher, daß man eine politische Bewegung nie nach seinen Zielen beurteilen darf, die sie laut verkündet und vielleicht auch wirklich anstrebt, sondern nur nach den Mitteln, die sie zu ihrer Verwirklichung einsetzt." - Werner Heisenberg

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Regionale Tauschmittel:

 http://www.chiemgauer-regional.de
 http://roland-regional.de
 http://www.sieg-taler.de
 http://www.giessener-justus.de

Materialien zur Geld-, Zins- und Schuldenproblematik:

 http://www.geldreform.de

Kneift man die Augen etwas zu, so sieht man die Konturen deutlicher.


AutorIn: Aideologischer Zinskritiker
14.02.2004 14:24  
"Schaffendes" und "raffendes" Kapital

Die Tauschringe, die Lehre des Silvio Gesell und der Antisemitismus

Marx ist out, der Kapitalismus hat sich ? vorerst ? weltweit durchgesetzt. In den Köpfen der Menschen scheint es keine Alternative zu geben. Statt dessen haben Obskuranten, Rassisten und Antisemiten, Nationalisten und Regionalisten, Esoteriker und Biozentristen Zulauf.

von Peter Bierl*

Im Kern versprechen sie ihren Anhängern materielle und ideelle Privilegien auf Kosten anderer, als minderwertig definierter Menschen. Die sogenannten Tauschringe, die auf der Lehre des Sozialdarwinisten Silvio Gesell basieren, bilden eine dieser Bewegungen.

Die Idee, Güter und Dienstleistungen untereinander auszutauschen, stammt ursprünglich aus der Arbeiterbewegung. Die Gesellianer-Tauschringe funktionieren anders. Hier geht es nicht um Solidarität und gegenseitige Hilfe, sondern um eine primitive Form des Kapitalismus. Dienstleistungen oder, selten, Waren werden mit Hilfe einer lokalen oder regionalen Phantasiewährung verrechnet. Eine Zentrale vermittelt Angebot und Nachfrage. Maßeinheit für den Preis ist in der Regel die Zeit, wobei theoretisch jede Arbeitsstunde gleichviel wert sein soll. In der Praxis wird gelegentlich davon abgewichen und Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Die Beträge werden auf speziellen Konten der Tauschringe für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer als Soll oder Haben gebucht. Gemäß der zentralen Idee Gesells, daß Geld ausgegeben und nicht gehortet werden soll, werden nicht nur Zinsen für Schulden genommen, sondern auch Strafzinsen für Guthaben. Wer mitmachen will, zahlt eine Gebühr in harten Devisen um die Tauschringzentrale zu finanzieren, die als Anlauf- und Vermittlungsstelle fungiert, Presse- und Außenkontakte wahrnimmt, Versammlungen organisiert, die TeilnehmerInnen-Daten verwaltet und oft auch eine "Marktzeitung" erstellt. Das "Talente-Experiment" im schweizerischen Aarau, das seit 1993 existiert, wird direkt von der Gesellianer-Organisation "Internationale Vereinigung für Natürliche Wirtschaftsordnung" (INWO) geleitet. Grundsätzlich werden für die erbrachten Arbeiten oder Güter keine Sozialversicherungsbeiträge oder Steuern abgeführt.

In Österreich gibt es knapp 40 Gesellianer-Tauschringe, die meisten in den Städten, fünf davon in Wien. Die für ideologische Arbeit wichtigste Gruppe in Österreich ist die nationale Sektion der INWO, die im Sommer 1999 in Wien einen Kongress mit internationaler Beteiligung organisierte. Dort referierten auch die deutschen Gesell-Propagandisten Helmut Creutz und Roland Geitmann sowie die ehemalige linke Feministin Claudia von Werlhof, die heute esoterische Matriarchatsthesen verbreitet. Eine "Volkstanzgruppe" aus Ungarn sorgte für das Kulturprogramm des Wiener INWO-Kongresses.

Die von den Tauschringen häufige verwendete Abkürzung LETS steht für Local Exchange Trading System oder auch Local Employment and Trading System und verweist auf die erste moderne Gruppe, die 1993 in Kanada gegründet wurde. Heute gibt es LETS in USA, Neuseeland, Argentinien, Australien und in Europa. Hochburg ist derzeit die Schweiz. Dort existiert seit 1934 der gesellianische "Wirtschaftsring" (WIR) mit heute rund 80.000 Konten. In Deutschland wurde bereits 1929 in Erfurt die "Wära-Tauschgesellschaft" mit einer eigenen Währung gegründet, aber von der Regierung verboten. Seit 1994 existieren in Deutschland LETS-Gruppen, derzeit sind es etwa 150 Tauschringe.

Britische LETS-Leute berechneten Mitte der 90er Jahre, daß in den dortigen Ringen durchschnittlich im Monat je TeilnehmerIn nur 40 Mark umgesetzt wurden. Das LETS/Talente-System ist entweder eine Spielerei oder eine Form der Schattenwirtschaft oder ein vom Staat gefördertes Instrument, um Marginalisierte ruhigzustellen, indem sie ihre Existenz in einer bescheidenen Tauschwirtschaft fristen können. Insofern hat LETS durchaus Perspektiven bei fortschreitender Verelendung und sozialer Demontage.

LETS funktioniert nach kapitalistischen Mechanismen. Wer keine Dienstleistungen oder Güter einbringen kann, etwa Kranke, Behinderte und Alte, ist prinzipiell ausgeschlossen. Die Strafzinsen verhindern eine Vorsorge in Form von Ersparnissen. Sie sind eine Vorwegnahme der Schwundgeld-Utopie, mit deren Hilfe Gesell die begrenzte Nachfrage als Fessel einer unbegrenzten Produktion überwinden wollte.


Faschisten im Tauschring Stade
1997 berichtete die Presse über braune Aktivitäten des Ehepaars Alfred und Sigrid Beyer im "Tauschring Oste Talente" (TOSTA) bei Stade in Niedersachsen. Alfred Beyer hatte eine erwerbslose Frau gebeten, zwei Buttons für die Deutschland-Bewegung Alfred Mechtersheimers zu entwerfen. Von einem anderen Talente-Kollegen ließ sich Beyer zu einem Treffen des neuheidnischen Bundes der Goden chauffieren. In der TOSTA-Marktzeitung warb Beyer, der den örtlichen Ring mitgegründet hatte, für ein Buch über Nietzsche mit dem Titel "Neues Licht über Zarathustra". Das Werk enthält frauenfeindliche und rassistische Positionen; es stammt von einem ehemaligen Mitglied der Waffen-SS und wird von der faschistischen Tempelhofgesellschaft herausgegeben. Beyer fungierte als regionale Kontaktperson der Deutschland-Bewegung und trat sowohl bei Mechtersheimers brauner Truppe als auch bei den sogenannten "Hetendorfer Tagungen" als Referent auf. Das Nazi-Schulungszentrum Hetendorf wurde im Februar 1998 vom niedersächsischen Innenministerium geschlossen und die beiden Trägervereine, deren Vorsitzender Nazianwalt Jürgen Rieger war, verboten. TOSTA-Sprecherin Sigrid Beyer war jahrelang in der ebenfalls von Rieger geführten Artgemeinschaft aktiv. Ihr wird außerdem vorgeworfen, den Holocaust in Frage zu stellen. Die Beyers vertrieben darüberhinaus allerlei esoterische Literatur.1

Zwar wurden die FaschistInnen von anderen TOSTA-Mitgliedern verteidigt, unter anderem auch vom TOSTA-Sprecher und ehemaligen Kreisvorsitzenden der Cuxhavener Grünen, Uwe Groß. Aufgrund der überregionalen Berichterstattung distanzierte sich aber eine TOSTA-Mitgliederversammlung von den Vorfällen. In der Erklärung ist immerhin "von den rechtsextremen Thesen des Silvio Gesell" die Rede und TOSTA verzichtete auf das bisherige Runensymbol im Logo. Der Kreis löste sich schließlich völlig auf.

Bemerkenswert ist der Eiertanz um Silvio Gesell. Jeder der im Tauschring akiv war, müsse wissen, heißt es in einer Stellungnahme, "daß wir nicht die Ideen des Silvio Gesell vertreten". Dabei haben TOSTA-Leute, wie andere Tauschringe auch, Veranstaltungen mit prominenten Gesellianern wie Hermann Benjes organisiert. Benjes ist Mitglied der deutschen Gesellianer-Partei Freisoziale Union (FSU) und im wissenschaftlichen Beirat der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), einer Rechtsabspaltung der Grünen. Sein Diavortrag ist eine einzige Lobhudelei auf Gesell und endet mit einem Holzschnitt, der den großen Meister darstellt.


Die Wirtschaftstheorie des Silvio Gesell
Daß sich Leute gegenseitig helfen, etwa Haareschneiden gegen Babysitten tauschen, ist ja nicht schlecht. Worum es hier geht, sind Tauschringe, die sich auf Gesell beziehen und/oder gemäß den Prinzipien seines Schwundgeldes funktionieren. Die personelle Verflechtung wird deutlich, wenn ein Tauschring für Gesell-Propagandisten wie Helmut Creutz oder Benjes die Bühne bereitet oder die OrganisatorInnen in einschlägigen Blättern wie der FSU-Zeitschrift "Der Dritte Weg" auftauchen oder sich sogar als AktivistInnen von offenen Gesellianer-Gruppen wie den "Christen für eine gerechte Wirtschaftsordnung" (CGW) outen.

Der Mentor der Tauschringe, Silvio Gesell, wurde 1862 in St.Vith (Belgien) geboren, absolvierte eine kaufmännische Lehre in Malaga und lebte abwechselnd in Argentinien, der Schweiz und Deutschland. Er arbeitete als Kaufmann und bewirtschaftete in der Schweiz ein Landgut. 1891 erschien eine erste Schrift des Autodidakten ("Die Reformation im Münzwesen als Brücke zum sozialen Staat"), in der er erstmals die "Idee des rostenden Geldes" formulierte. Im Ersten Weltkrieg erwog Gesell als Freiwilliger ins deutsche Heer einzutreten, zog sich dann aber auf sein Schweizer Landgut zurück.2

In seinem Hauptwerk "Die natürliche Wirtschaftsordnung" (1911) versuchte Gesell, Marx zu widerlegen, der die Ausbeutung des Menschen im Produktionsprozeß analysierte. Marx zufolge stellen die Arbeiter Produkte her, deren Wert höher ist, als der Lohn den sie ausbezahlt bekommen. Der Lohn entspricht etwa dem Wert der Güter und Dienstleistungen, die notwendig sind, um die menschliche Arbeitskraft zu erhalten. Die Differenz zwischen Lohn und dem Wert der hergestellten Produkte ist der berühmte Mehrwert, den das Kapital einbehält. Soweit in aller Kürze und Schlichtheit. Bei Gesell bedeutet Mehrwert dagegen nur Zinsen und Renten. Er stellt sich ausdrücklich in die Tradition von Pierre-Joseph Proudhon (1809-65), einem französischen Anarchisten. Der habe schon behauptet, das Problem liege in der Zirkulation, knappes Geld lähme Produktion und Austausch. Schuld sind die Geldbesitzer, die dieses Tauschmittel horten, um Zinsen zu kassieren.3 Gesells Definition von Arbeiter lautet deshalb: "...jeder, der vom Ertrag seiner Arbeit lebt, Bauern, Handwerker, Lohnarbeiter, Künstler, Geistliche, Soldaten, Offiziere, Könige sind Arbeiter in unserem Sinne. Einen Gegensatz zu all diesen Arbeitern bilden in unserer Volkswirtschaft einzig und allein die Rentner, denn ihr Einkommen fließt ihnen völlig unabhängig von jeder Arbeit zu."4 Mit Rentner sind hier Personen gemeint, die von Kapitalzinsen leben. Gesell fordert das Recht aller Arbeiter (gemeint sind also Kapitalisten und Lohnabhängige) am "gemeinsamen vollen Arbeitsertrag", also ohne Abzug von Zinsen oder Renten.

Ausdrücklich geht es dem Kaufmann nicht um die Verteilung zwischen Kapital und Lohnabhängigen: Durch den Wegfall der Zinsen und Renten würden sich alle Einkommen erhöhen, verteilt wird "nach den Gesetzen des Wettbewerbs" gemäß dem Prinzip: "Dem Tüchtigsten der höchste Arbeitsertrag."5

Die Utopie der Gesellianer, eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, basiert auf drei Säulen: Freiland, Freihandel und Freigeld. Das Privateigentum an Boden soll in einem ersten Schritt vollkommen abgeschafft werden. Gesell erklärt, dass dann staatliche Grenzen abgebaut und der allgemeine Friede gesichert wäre, weil Staaten nicht mehr um Territorien kämpfen würden. Unabhängig von "der Rasse, der Religion, der Bildung und körperlichen Verfassung", habe jeder dann das Recht auf völlige Freizügigkeit und dürfe überall soviel Boden pachten, wie er bebauen könne.6 Dieses Recht ist allerdings strikt bürgerlich-formal: Verpachtet wird an den Meistbietenden.7 Silvio Gesell unterstellt, daß sich das Freiland-Prinzip dank seiner ökonomischen Vorzüge weltweit ausbreiten wird. Staaten, die sich weigern und weiter Monopolgewinne ermöglichen, würden, so schreibt er, "die Arbeitsscheuen der ganzen Welt ins Land ziehen... Alle Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner würden dorthin ziehen, wo man die Bodenschätze an das Ausland mit Renten belastet abgibt."8

Der Arbeitsertrag aus dem Freiland fungiert als "Höchst- und Mindestmaß des allgemeinen Arbeitslohnes". Sinkt der angebotene Lohn unter diesen Ertrag, mutieren die Proleten einfach zu Pachtbauern, mehr Lohn als die Bauern können und sollen die Arbeiter nicht bekommen. Klassenkampf und Streik lehnt Gesell strikt ab. Freiland ist damit die "einzige Stütze bei Lohnverhandlungen", eine Ausweichmöglichkeit für weiße, europäische Proletarier im Sinne von Auswanderung. Das "freie Land", das Gesell meint, ist angeblich "herrenloses" Land im Trikont.9 In diesem Zusammenhang kritisiert er auch die Abschottung der USA gegen den Handel mit Europa und Einwanderung aus Italien oder Asien: Wegen "dieser amerikanischen Rassenpolitik (könnten)", kritisiert Gesell "die Neger eines Tages die Oberhand gewinnen."10 Implizit vertrat Gesell ein kolonialistisches Expansionsprogramm, er qualifizierte Afrikaner ab und predigte ein Arbeitsethos, sozialrassistisch abgegrenzt gegen "Arbeitsscheue" und "Zigeuner".

Freiland allein ist laut Gesell kein Mittel gegen Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit.11 Das Problem liege im Austausch der Waren. Weil dieser durch Geld vermittelt wird, existiere eine "Zwangsnachfrage nach Geld".12 Den Umfang dieser Nachfrage nach Geld bestimme der Warenstrom, gemeint sind Konsumgüter.13 Letztlich setzt Gesell den Preis des Geldes sowohl mit dem Wert der Arbeitserzeugnisse als auch mit dem Lohn plus Zins und Bodenrente gleich und eliminiert theoretisch die Ausbeutung in der Produktion.14 Nur beim Austausch von Waren kommt es zur Ausbeutung, jeder betrügt jeden.15 Dann würde entweder Ausbeutung nicht existieren, weil jeder Betrüger und Betrogener ist, oder Gesell denkt an eine Konzentration von Reichtum bei den schlauen Betrügern und eine Verarmung der dummen Betrogenen, ein Ausleseprozeß aufgrund angeborener oder erlernter Fähigkeiten?

Die oben skizzierte Marxsche Werttheorie, die Ausbeutung im Produktionsprozeß festmacht, lehnt Gesell jedenfalls ab.16 Nur so kann er die Ausbeutung in der Zirkulation verankern und für fairen Wettbewerb plädieren. Gesells Ideen reflektieren die Ängste und Illusionen eines Kleinbürgers. Ein Beispiel: Angenommen Produzent A und Produzent B stellen bei gleichen Ausgaben für den Lebensunterhalt in der selben Zeit 10 bzw. 100 Stück einer Ware her. Gesell selber wird ja nicht müde die Vorzüge der Arbeitsteilung ? Produktionssteigerung oder weniger Arbeitszeit pro Produkteinheit ? zu preisen. Trotz des höheren Materialaufwandes und Verschleißes an Werkzeug kann B seine Produkte billiger verkaufen, A. bleibt auf seinen Waren sitzen oder verkauft unter seinen Produktionskosten. Höhere Arbeitsproduktivität setzt sich unter Konkurrenzbedingungen durch, weil sie weniger menschliche Arbeitskraft je Wareneinheit bedeutet. Insofern reguliert der Wert der Waren "in letzter Instanz" die Preise, was nicht bedeutet, der Wert, d.h. die Arbeitszeit diktiert immer den Preis, sondern dieser schwankt. Der Wert setzt sich als "blindwütiges Durchschnittsgesetz" durch, schrieb Marx.17


Zinsen und "Schwundgeld"
Wirtschaftskrisen entstehen nach der Gesellschen Theorie weil Geld gehortet und damit Zins erpresst, also arbeitsloses Einkommen erzielt werden kann. Die gute Marktwirtschaft verwandelt sich zum ausbeuterischen Kapitalismus, der Gegensatz verläuft zwischen den "Schaffern", Arbeitern und Unternehmern, und den Raffern, den "parasitären" Kapitalisten. Ein Ansatz, der das antisemitische Stereotyp vom jüdischen Wucherer befördert. Kapitalismus wird von den Gesellianern als Zinswirtschaft definiert. Bei nachlassender Konjunktur sinken die Gewinne, der Zinssatz aber laut Gesell nur bis zum "Urzins", das heißt nicht unter 2,5 Prozent. Sonst horten die Geldbesitzer lieber und bringen dadurch die zirkulierende Geldmenge und das Warenangebot in ein Ungleichgewicht. Möglich wird das Horten, weil Geld nicht verfault, wie er glaubt. 1891 formuliert Gesell deshalb bereits die Idee des "rostenden Geldes", später Frei- oder Schwundgeld genannt. Gemeint ist, daß auch Geld in bestimmten Zeiträumen an Wert verliert, ebenso wie Waren und deshalb ausgegeben bzw. investiert werden muß.18

Die gesamte obskure Lehre fußt auf der falschen Annahme, daß Geld nicht "rostet" oder "verfault". Tatsächlich kann Geld durchaus an Wert verlieren, durch Inflation, durch Wechselkursschwankungen, im Gefolge ökonomischer und politischer Entwicklungen. In Deutschland wurde das Geld 1923 und 1948 völlig entwertet: Die Besitzer von Produktionsmitteln, von Fabriken, Boden, Maschinen oder Rohstoffen, profitierten.

Moderne Gesellianer wie Klaus Schmitt und Margrit Kennedy beziehen den Wertschwund nur auf konkretes Bargeld.19 Immer noch, schreibt Kennedy, werde Geld gehortet, von Privatleuten "unter der Matratze", oder nach Einbrüchen und Diebstählen, oder als Geldbestände in ausländischen Währungen.20 Ein lächerlicher Ansatz: Der Gesell-Kritiker Jürgen Kaun schreibt, daß gerade acht Prozent des gesamten zinstragenden Geldvermögens der privaten Haushalte (!) Tauschgeld ist, das eine von Gesellianern vorgeschlagene Hortungssteuer betrifft.21 Auch bei Experimenten mit dem Schwundgeld, etwa dem Paradebeispiel der Gesellianer in dem österreichischen Dorf Wörgl 1932, tauschten die BürgerInnen ihr Bargeld gegen neues Schwundgeld um. Diese neue Währung verlor jeden Monat ein Prozent ihres Wertes. Die Gemeinde hatte dadurch 2.000 Schilling Gewinn im Monat, konnte Schulden abzahlen und die Infrastruktur ausbauen. Weder die Bankguthaben der Reichen, noch deren Sachwerte wurden angegangen, sondern die Bargeldbestände aller BürgerInnen. Schwundgeld ist also nichts anderes als eine verkappte nichtprogressive Steuer.22

Krisen erklärt Schmitt folgendermaßen: Aufgrund eines hohen Angebots purzeln unter Konkurrenzbedingungen Gewinne und Zinsen.23 Wenn in einer solchen Lage alle Sparstrümpfe und Raffzähne auf Zinsen verzichten und investieren, steigt das Angebot weiter, zumindest wachsen die Kapazitäten. Das steht im Gegensatz zu den Behauptungen von Schmitt oder Kennedy, ohne "Zinsknechtschaft" lebten wir in einem ökologischen Paradies, ohne "pathologischen Wachstumszwang" (Kennedy).24 Investiert wird, wenn Profite winken, niedrige Zinsen könnten sogar noch einen Wachstumsschub bewirken. Gesell selber, schreibt sein österreichischer Schüler Gerhard Senft, sah den Zins als Wachstumsbremse, die er beseitigen wollte.25 Jürgen Kaun kritisiert die Freiwirtschaft, weil sie "einen kräftigen Wachstumsschub mit vermehrten Umweltschäden" bewirken würde. "Zinslose Investitionsdarlehen würden... extrem kapitalintensive Großtechnologien verhältnismäßig am stärksten verbilligen", also Atomkraft, Atomfusion, Luft- und Raumfahrt, Gentechnik.26


Rassenhygiene mit Freigeld und Freiland
Freiland, Freihandel und Freigeld bilden laut Gesell die Elemente einer "natürlichen Wirtschaftsordnung". Er rühmt diese als "eine Ordnung, in der die Menschen den Wettstreit mit der ihnen von der Natur verliehenen Ausrüstung auf vollkommener Ebene auszufechten haben, wo darum dem Tüchtigsten die Führung zufällt, wo jedes Vorrecht aufgehoben ist und der Einzelne, dem Eigennutz folgend, geradeaus auf sein Ziel lossteuert, ohne sich in seiner Tatkraft durch Rücksichten ankränkeln zu lassen..."27 Der Marx der Anarchisten entpuppt sich als Sozialdarwinist und Liberaler: "Diese natürliche Wirtschaftsordnung", fährt Gesell fort, "könnte man auch als ,Manchestertum? bezeichnen, jene Ordnung, die den wahrhaft freien Geistern immer als Ziel vorgeschwebt hat... Die Manchesterschule war auf dem richtigen Wege, und auch das, was man von Darwin her später in diese Lehre hineintrug, war richtig."28 Die Fehler des Manchesterkapitalismus, Privilegien des Grund- und Geldbesitzes zu akzeptieren, will Gesell korrigieren, um das eigentliche Ziel, die Höherzüchtung der Menschheit, zu garantieren: "Die Auslese durch den freien, von keinerlei Vorrecht mehr gefälschtem Wettstreit wird in der Natürlichen Wirtschaftsordnung vollständig von der persönlichen Arbeitsleistung geleitet... Denn die Arbeit ist die einzige Waffe des gesitteten Menschen in seinem ,Kampfe ums Dasein`. (...) Doch steht es außerhalb jedes Zweifels, daß der freie Wettbewerb den Tüchtigen begünstigt und seine stärkere Fortpflanzung zur Folge hat."29 Eine solche "Rassenpolitik", schreibt Gesell, "darf nicht an Staaten, Landesgrenzen, an Staatsgesetze gebunden werden. Rassenpolitik ist ureigene Angelegenheit jedes einzelnen Menschen". Es folgt ein antisemitisches Stereotyp: "Das einzige Volk, das seit Jahrtausenden beharrlich Rassenpolitik treibt, die Juden, hat überhaupt kein eigenes Land, und kennt die Staatshoheit nicht."30

Die Auslese leitet Gesell aus angeblich ewigen Naturgesetzen ab: "Diese Gesetze aber wollen den Wettstreit. Nur auf dem Wege des Wettbewerbs, der sich überwiegend auf wirtschaftlichem Gebiete abspielt, kann es zur förderlichen Entwicklung, zur Hochzucht kommen. Wer daher die Zuchtgesetze der Natur in ihrer vollen, wundertätigen Wirksamkeit erhalten will, muß die Wirtschaftsordnung darauf anlegen, daß sich der Wettbewerb auch wirklich so abspielt, wie es die Natur will, d.h. mit der von ihr gelieferten Ausrüstung, unter gänzlicher Ausschaltung von Vorrechten. Der Erfolg des Wettstreites muß ausschließlich von angeborenen Eigenschaften bedingt sein, denn nur so wird die Ursache des Erfolges auf die Nachkommen vererbt... Dann darf man hoffen, daß mit der Zeit die Menschheit von all dem Minderwertigen erlöst werden wird, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht sie belastet hat, daß die Herrschaft den Händen der Bevorrechteten entrissen werden und die Menschheit unter Führung der Edelsten den schon lange unterbrochenen Aufstieg zu göttlichen Zielen wieder aufnehmen wird." Der französische Adelige Boulainvilliers verteidigte 1727 die Privilegien seiner Kaste mit dem Verweis auf eine rassische Abstammung von den fränkischen Eroberern. Dem Kleinbürger Gesell zufolge führen Privilegien zur Degeneration, mann ist dem "Kampf ums Dasein" enthoben.

Auch das Freiland-Konzept dient eugenischen Zielen. Die Pachtzahlung erfolgt zunächst an den Staat "und wird restlos an die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt"31, als "Mutterrente". Die "Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft" ist laut Gesell "die glücklichste Lösung der Frauenfrage".32 Die "Vorrechte bei den Geschlechtern" sind aufgehoben, die Grundrente als ökonomische Sicherheit gewährt den Frauen "das freie Wahlrecht... und zwar nicht das inhaltsleere politische Wahlrecht, sondern das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb der Natur."33 Die Frauen würden damit den schädlichen Einfluß der Medizin ausgleichen, die die "Erhaltung und Fortpflanzung der fehlerhaft geborenen Menschen" bewirkt. "Soviel Krankhaftes auch der Auslesebetätigung der Natur durch die Fortpflanzung der Fehlerhaften zugeführt wird, sie wird es bewältigen. Die ärztliche Kunst kann dann die Hochzucht nur verlangsamen, nicht aufhalten."34

In dem Roman "Der abgebaute Staat" betont Gesell die Züchtung von "Kraft, Gesundheit, Geist, Schönheit" als gesellschaftliche Ziele. Frauen haben sich dem unterzuordnen, Verhütung ist schlecht, weil es dann an menschlichem "Auslesematerial" mangelt. Kopfzerbrechen bereitet Gesell das "Überbevölkerungsproblem". Einerseits werde es weniger Geburten geben, weil Frauen länger nach geeigneten Väter suchen und nur "die Lebensbejahenden" gebären. Die übrigen Frauen würden sich sterilisieren lassen und lohnabhängig sein. Nach seiner sozialdarwinistischen Logik sterben diese Frauen aus und nur die "Lebensbejahenden" pflanzen sich fort, so daß Gesell die "Gefahr einer künftigen Überbevölkerung" befürchtet.35

Antisemitismus und die Lehre von der Zinsknechtschaft
Gesell konstruierte wie sein Vorbild Proudhon eine widersinnige Differenz zwischen einem guten, weil produzierenden, und einem bösen, weil zinsheckenden Kapital. Letzteres identifizierte die antisemitische Propaganda mit dem Juden, die Nazis teilten in "schaffendes" und "raffendes" Kapital. In Wahrheit ist dieses "schaffende" Kapital immer auch Geldbesitzer und umgekehrt die Banken Miteigentümer an Unternehmen; Finanz- und Industriekapital sind untrennbar miteinander verflochten. Wer, wie die AnhängerInnen der Zinsknechtslehre, alle Übel dieser Welt in der Zirkulationssphäre ausmacht, verdrängt die Ausbeutung in der Produktion und pflegt ein falsches Bild vom Kapitalismus, das strukturell antisemitisch ist.

In einem Text von 1891 spricht sich Gesell vordergründig gegen Antisemitismus aus. Tatsächlich pflegt er das Stereotyp des raffenden, faulen, nicht-arbeitenden Juden. Gesell schreibt: "Die Judenhetzerei ist eine colossale Ungerechtigkeit und eine Folge einer ungerechten Einrichtung, eine Folge des heutigen Münzwesens (...) Die Münzreform [gemeint ist sein Vorschlag, P.B.] macht es unmöglich, daß jemand erntet ohne zu säen, und die Juden werden durch dieselbe gezwungen werden, die Verwerthung ihrer großen geistigen Fähigkeiten nicht mehr im unfruchtbaren Schacher zu suchen, sondern in ... der ehrlichen Industrie."36

Einer der wichtigsten Epigonen ist Yoshito Otani. Für seine Bücher wurde in der FSU-Zeitschrift Der Dritte Weg oder von den Christen für eine Gerechte Wirtschaftsordnung (CGW) geworben. Otani stellt die Vernichtung der Jüdinnen und Juden infrage, zweifelt an der Existenz der Gaskammern in Auschwitz und leugnet die Kriegsschuld der Deutschen. Selbst am Ersten Weltkrieg seien "jüdische Banken" schuld. Otani bezeichnet die antisemitische Fälschung "Protokolle der Weisen von Zion", die angebliche Weltherrschaftspläne der Juden beinhaltet, als wahr.37


Der Antikommunist Gesell und die Münchner Räterepublik
Vorwürfe der Rechtslastigkeit kontern Gesell-Fans mit dem Hinweis, ihr Meister habe bei der Münchner Räterepublik mitgemischt. Halbwahrheiten wirken oft wie ganze Lügen. Die Rätebewegung in München gliedert sich in drei Phasen: Die erste dauerte vom Sturz der Monarchie bis zur Ermordung des Ministerpräsidenten Kurt Eisner (USPD) am 21. Februar 1919. Am 7. April riefen der Münchner Zentralrat, Vertreter der sozialistischen Parteien und der Anarchisten die erste Räterepublik aus. Ernst Niekisch (SPD), der sich später als Faschist hervortat und Hitler von rechts kritisierte, ernannte Gesell zum Volksbeauftragten für Finanzen. In seiner Autobiographie wertete Ernst Toller, damals Vorsitzender der Münchner USPD und Kommandant der Roten Armee, diese Wahl als Ausdruck von Unwissenheit und Unklarheit.38 Am 13. April wurde diese erste Räteregierung abgesetzt, ein Bündnis unter Führung der KPD rief die zweite Räterepublik aus.

Anfang Mai 1919, nachdem die Freikorps die Rätebewegung zerschlagen hatten, wurde Gesell verhaftet. Sein Anhänger Rolf Engert verfaßte eine Verteidigungsschrift, die Gesell inhaltlich billigte, und in der es darum geht, sich von der Linken zu distanzieren, weil diese kommunistisch sei. Immer schon habe Gesell Marx bekämpft, insbesondere "das von jenem verkündete Streikprinzip und predigt statt dessen die unverdrossene, ja gesteigerte Arbeit". Engert schrieb weiter: "Daß die Verbindung Gesells mit den Männern der ersten Räterepublik Bayern ? und nur ihr gehörte er an ? seinen Ideen im Grunde widersprach, geht am klarsten aus der Befremdung, ja dem Unwillen hervor, den dieser Schritt Gesells bei vielen seiner Anhänger hervorrief." Gesells Aktivität in der Räteregierung wird als besonders schlaue antikommunistische Taktik angedient: "er wollte den Kommunismus mattsetzen... Gesell erblickt im Kommunismus das Übel aller Übel... er vertritt statt dessen den ausgesprochensten ? bisher noch nie verwirklichten wirtschaftlichen Individualismus", mitgemacht habe er nur, um "seine Idee selbst noch in letzter Stunde zur Rettung des deutschen Volkes zu verwirklichen"39 Er würde sich "auch jeder anderen Regierung mit seiner völlig unpolitischen, seiner reinen Facharbeit zur Verfügung stell(en).." Daß man in einem politischen Prozeß angesichts des Weißen Terrors die eigene Beteiligung herunterspielt, ist verständlich, diese Art der Distanzierung aber belastete andere Angeklagte.


Der rechte Rand der Anarchie
Die Gesellianer versuchen mit einer Vielzahl von Gruppen und Projekten und einer breiten Bündnispolitik im rechten und esoterischen Spektrum, aber auch in der linken und der umweltbewegten Szene AnhängerInnen zu rekrutieren. Die FSU verfügte in den 50er Jahren über Kontakte zur nazistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP), in den 60ern kooperierte die FSU mit dem ökofaschistischen Weltbund zum Schutz des Lebens (WSL). Die Gesellianerin Margret Kennedy trat in Berlin bei dem Ökofaschisten Rudolf Bahro auf und publizierte in der Zeitschrift "Der Gesundheitsberater" des braunen Ernährungspapstes Max Otto Bruker. Bemerkenswert ist bei diesen Kooperationen die Mischung aus Gesellianern, Anthroposophen und offenen Faschisten, personifiziert durch Bruker und Günter Bartsch.

Bruker, langjähriger Funktionär des WSL und 1969 FSU-Kandidat für den Bundestag, predigt in seinen Büchern eine sozialdarwinistische Ideologie. So konstruiert er einen Zusammenhang zwischen "Frauenkrankheiten" und Verhütungsmitteln bzw. gesundheitsschädlicher Lebensweise.40 Wenn eine Frau dadurch "ihren Körper schädigt", hofft Bruker aus Selektionsgründen auf Sterilität: "vom biologischen Standpunkt aus eine sinnvolle Maßnahme, weil dadurch der Anteil der Bevölkerung von der Fortpflanzung ausgeschlossen wird, der keine gesunde Nachkommenschaft gewährleisten kann".41 Weil Frauen Erziehungsarbeit scheuen, komme es zu immer mehr verweichlichten Einzelkindern. "Zur Vorbereitung für die späteren Lebensaufgaben sind drei Kinder geeigneter als nur zwei. Dies entspricht dem Kampf ums Dasein im späteren Leben mehr. Bei drei Kindern sieht sich das eine meist einer Mehrheit von zweien gegenüber."42

Krebs ist für Bruker eine "vollendete Krankheit.. dazu ausersehen, dem verblendeten Fortschrittsgläubigen die Augen zu öffnen" oder aber es wird "der fortschrittliche Teil der Menschheit in einem Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit durch Krankheit, insbesondere Krebs liquidiert."43 Chronische Schlafstörungen erklärt der Ernährungspapst mit Hilfe der Anthroposophie als "starke(n) Mangel an Vertrauen zu dieser Welt und damit zu Gott".44 Ausgehend von der anthroposophischen Lehre vom Menschen als Geist-Seele-Leib-Einheit und einem mystischen Naturbegriff ("das ursprünglich Gegebene", "Göttlich-Geheimnisvolles und Letztes") wettert Bruker gegen die rationale Wissenschaft als "Höhepunkt materialistischen Denkens".45

Eine schillernde politische Biographie weist Günter Bartsch auf. Von 1947 bis 1953 war er Mitglied der KPD. 1972 veröffentlichte er ein Werk über Anarchismus in Deutschland, darin wird Silvio Gesell als "Anarcho-Liberaler" charakterisiert. Drei Jahre später schreibt Bartsch ein Buch unter dem Titel "Revolution von rechts?", positiv Bezug nehmend auf Teile der sogenannten Neuen Rechten sowie den Nazi Otto Strasser. Mit dem Buch "Vom Kronstadt zum Achbergerlebnis" schlägt Bartsch 1977 eine Brücke vom Anarchismus zur Anthroposophie. Artikel aus seiner Feder wurden in den rechten Blättern "Wir selbst", "Criticon" und "Junges
Forum" sowie in den SPD-nahen "Frankfurter Heften" abgedruckt. 1989 erschien eine Biographie von ihm über Otto Strasser im Verlag von Siegfried Bublies (Ex-NPD, Republikaner), der auch "Wir selbst" herausgibt.46

1989 verfaßte Günter Bartsch zusammen mit Klaus Schmitt das Buch "Silvio Gesell ? Marx der Anarchisten?", das im anarchistischen Karin Kramer Verlag publiziert wurde. Bartsch räumt "eine Spur von Sozialdarwinismus" bei Gesell ein: "Jedoch richtet sie sich vor allem gegen Ehen mit Alkoholikern."47 Bei freier Liebeswahl der Frauen und freiem Wettbewerb unter den Männern ist "natürliche Auslese" möglich, dann "platzen die Eiterbeulen, die größten Probleme ? Staat, Klerus, Überbevölkerung, Krieg."48 Schmitt feiert Gesell unter dem Titel "Geldanarchie und Anarchofeminismus" als Nachfolger Proudhons. Besonders schätzt Schmitt die Freiland-Idee: Der gesamte Boden solle von einem "Bund der Mütter" verwaltet und an Meistbietende verpachtet werden. Die Pachteinnahmen gehen an die Mütter und ihre Kinder. Gesell habe dies als Beitrag zur "biologischen und kulturellen Fortentwicklung der Menschheit" verstanden, als Möglichkeit den potentiellen Vater auch unter eugenischen Gesichtspunkten auszuwählen. "Immerhin ist dieser Gedanke einer für die Gesunderhaltung des Erbguts und für die Evolution der menschlichen Art vorteilhaften und von den betroffenen Individuen selbstbestimmten Eugenik eine diskutable Alternative zu den auf uns zukommenden, von Staat und Kapital fremdbestimmten Genmanipulationen", schreibt Schmitt.49

Mit Rassismus habe dies nichts zu tun, behauptet Schmitt. In Gesells Roman "Der abgebaute Staat", auf den er sich bezieht, wird die Utopie einer Frauenkommune entworfen, deren Bewohnerinnen vielfache sexuelle Beziehungen unterhalten. Schmitt schreibt dazu: Ihre Kinder stammen von verschiedenen Vätern "hoher physischer und psychischer Qualität ab, und zwar von Männern aus den verschiedensten Völkern und Rassen der Erde! Es geht hier also nicht um die ,Aufnordung? einer bestimmten Rasse, wie es die NS-Rassisten vorhatten, sondern um die Fortentwicklung der gesamten Gattung Mensch."50 Leider, fährt Schmitt fort, seien die "ausdrücklich staatsfreien und naturverbundenen Eugenik- und Wahlzuchtvorstellungen... heute in linken Kreisen äußerst verpönt". Die Kritik der Linken schiebt er einer "lust- und lebensfeindlichen, aus christlich-masochistischer Moral gespeister Ideologie" zu. Dabei sollten wir zur Kenntnis nehmen, daß "durch den Schutzraum der Kultur (ist) der Ausleseprozeß ausgeschaltet, die weiterwirkenden Mutationen führen jedoch zur überwiegend negativen Veränderung der menschlichen Natur: zu Domestikationserscheinungen". Genauso formulierte schon 1943 der Nazibiologe Konrad Lorenz, bei dem sich Schmitt im nächsten Absatz auch bedankt.51

Welch einen Fortschritt bieten Gesell und Schmitt, der Anarchist, gegenüber den Nazis und Aldous Huxleys "Schöner neuer Welt"! Die einen benötigten den Terror, im Roman müssen befruchtete Eizellen noch in einer Brut- und Normzentrale manipuliert werden. Sozialdarwinismus im anarchistischen Gewande merzt selbstbestimmt Alkoholiker, Kranke und Behinderte aus. Die Menschen in dieser Horror-Utopie Gesells haben die Selektion in "höher"- und "minderwertiges" Leben soweit verinnerlicht, daß ökonomische Zwänge sowie staatliche Macht und Manipulation überflüssig sind.

Die Attraktivität Gesells bei Teilen des anarchistischen Spektrums ist weder Zufall noch Unwissenheit. Das individualistische Konzept, das von einigen Strömungen vertreten wird, ist offen für Mystik, für einen Egokult und die Verteidigung des Eigentums, wie sie Max Stirner (1806-1856) vertrat, bis hin zu faschistischen Konsequenzen.52 Daß sich Gesell ebenso auf Nietzsche und Stirner wie auf Proudhon beruft, ist korrekt.53 Mit letzterem stimmte er nicht nur in der Zins-Kritik überein. Trotz der berühmten Formulierung "Eigentum ist Diebstahl" verteidigte Proudhon Privateigentum, wenn es aus eigener Arbeit entspringt, gegen Wucher und Spekulanten. Er bekämpfte jegliche revolutionäre Politik und die Emanzipation der Frau und war ein erklärter Antidemokrat und ein Antisemit.54 In Gesells anarchistischem Utopia gibt es keine soziale Fürsorge und keine Gefängnisse, sondern Ellbogenmentalität und Lynchjustiz: "Der Friedhof ist hier das einzige Gefängnis", schreibt Gesell.55

Schlichte Gemüter aus dem alternativen und anarchistischen Milieu begnügen sich mit Parolen "gegen die Zinsknechtschaft der Dritten Welt". Selbst im Terminkalender der autonomen Berliner Zeitschrift Interim (Nr.258, 21.Oktober 1993) wurde eine Veranstaltung "Marktwirtschaft ohne Kapitalismus" im Infoladen Bambule mit Klaus Schmitt angekündigt. Auf Initiative einer Künstlergruppe galt im Stadtviertel Prenzlauer Berg in Berlin zwei Monate lang eine zweite Währung, der sogenannte "Knochen". Die Idee basierte ebenfalls auf der sogenannten Schwundgeldtheorie. Silvio Gesell, den sein österreichischer Anhänger Gerhard Senft als "großen Sozialreformer" rühmt, verbrachte seine letzten Jahre in der Lebensreformer-Obstbaugenossenschaft Oranienburg bei Berlin. Außer vegetarischer Ernährung, heißt es 1917 in einem Programmheft von Eden, war zum "natürlichen" Leben in der alternativen Kommune "deutsch-völkische Gesinnung Voraussetzung. Und dazu befähigt nur deutsches Ariertum".56



1 vgl. Stader Wochenblatt, 30.8.97, 10.9.97, 17.9.97, Stader Tageblatt, 8.11.97, 10.11.97, Niederelbe-Zeitung, 8.11.97 und 11.11.97, Der Spiegel, Nr.46/1997

2 vgl. Siegbert Wolf, Silvio Gesell. Eine Einführung in Leben und Werk eines bedeutenden Sozialreformers, Hannoversch Münden, 1983

3 vgl. Silvio Gesell, Die natürliche Wirtschaftsordnung, 4. überarbeitete Auflage, Gesammelte Werke, Bd.20, Lütjenburg, 1991, S.3 ff.

4 zit. ebd., S.10

5 zit. ebd., S.10 f.

6 vgl. ebd., S.72, S.99

7 vgl. ebd., S.72

8 zit. ebd., S.70

9 vgl. ebd., S.41 f.

10 zit. ebd., S.63

11 vgl. ebd., S.106 f.

12 vgl. ebd., S.119

13 vgl. ebd., S.172

14 vgl. ebd., S.162

15 vgl. ebd., S.130

16 vgl. ebd., S.111, S.122 f., S.124

17 vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd.1, MEW 23, S.117

18 vgl. Gesell, a.a.O., S.194 ff.

19 vgl. Klaus Schmitt, Günther Bartsch (Hg.), Silvio Gesell ? "Marx" der Anarchisten?, Berlin, 1989, S.90 f., Margret Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, München, 1991, S.49 f.

20 vgl. Kennedy, a.a.O., S.111 f.

21 vgl. Jürgen Kaun, Keine Begrenzung des Wirtschaftswachstums, in: Contraste, Nr.84, 1991

22 vgl. Experiment Wörgl, in: Bartsch, Schmitt, a.a.O., S.258

23 vgl. Schmitt, a.a.O., S.63 ff.

24 vgl. ebd., S.24

25 vgl. Gerhard Senft, Weder Kapitalismus noch Kommunismus, Silvio Gesell und das libertäre Modell der Freiwirtschaft, Berlin, 1990, S.145, S.147

26 vgl. Kaun, Keine Begrenzung des Wirtschaftswachstums, in: Contraste, Nr.84, 1991

27 zit. Gesell, a.a.O., Vorwort zur Dritten Auflage, Herbst 1918, S.XVII

28 zit. ebd., S.XVII f.

29 zit. ebd., S.XX f., ebenso: Klaus Schmitt, a.a.O., S.214, S.218, in der Anmerkung 255 wird wieder Konrad Lorenz positiv zitiert, ohne Wettbewerb keine "selektiven Vorteile".

30 zit. ebd., S.64

31 zit. ebd., S.72

32 zit. ebd., S.92

33 zit. ebd., S.XXI, vgl. ebd., S.93

34 zit. ebd., S.XXI

35 vgl. Silvio Gesell, Der abgebaute Staat ? Leben und Treiben in einem gesetz- und sittenlosen hochstrebenden Kulturvolk, 1927, in: Gesammelte Werke, Bd. 16, S.252ff.

36 zit. Gesell, Nervus rerum ? Fortsetzung zur Reformation im Münzwesen, S.140f., in: Gesell, 1988, nach Oliver Geden, Rechte Ökologie, Berlin, 1996, S.158

37 vgl. Volkmar Woelk, Natur und Mythos, Duisburg, 1992, S.22, Geden, a.a.O., S. 162ff.

38 vgl. Ernst Toller, Eine Jugend in Deutschland, Leipzig, 1990, S.109

39 zit. Rolf Engert, Silvio Gesell in München 1919, Hannoversch-Münden, 1986, S.38 ff.

40 vgl. Max O. Bruker, Gesund durch richtiges Essen, München, 16. überarbeitete Auflage, 1989, S.146 ff.

41 zit. ebd., S.147 f.

42 zit. Bruker, Lebensbedingte Krankheiten, Hopferau, 1982, S.280

43 zit. Bruker, Gesund durch richtiges Essen, a.a.O., S.198 f.

44 vgl. ebd., S.216, S.220 ff.

45 vgl. Bruker, Lebensbedingte Krankheiten, a.a.O., S.147 ff.

46 vgl. Raimund Hethey, Peter Kratz, Hrsg., In bester Gesellschaft. Antifa-Recherche zwischen Konservativismus und Neo-Faschismus, Göttingen, 1991, S.126 f., Margret Feit, Die Neue Rechte in der Bundesrepublik, Frankfurt/M., 1987, S.180, Wölk, a.a.O., S.44 ff.

47 zit. Günter Bartsch, Silvio Gesell, die Physiokraten und die Anarchisten, in: Bartsch, Schmitt, Silvio Gesell ? Marx der Anarchisten?, Berlin, 1989, S.14

48 zit. ebd., S.15

49 zit. Schmitt, Geldanarchie und Anarchofeminismus, in: Silvio Gesell ? Marx der Anarchisten?, a.a.O., S.129

50 zit. ebd., S.131

51 zit. ebd., S.241 f., Anmerkung 117

52 vgl. Leszek Kolakowski, Die Hauptströmungen des Marxismus, Bd.1, 1981, S.186 ff.,

53 vgl. Gesell, Natürliche Wirtschaftsordnung, a.a.O., S.XXVI

54 vgl. Thilo Ramm, Hrsg., Pierre-Joseph Proudhon, Ausgewählte Texte, Stuttgart, 1963

55 zit. Gesell, Der abgebaute Staat, a.a.O., S.302

56 zit. nach Louis Lerouge, Rinks und lechts kann flau/mann nicht velwechsern ? odel doch?, in: Contraste 106/107, Juli/August 1993

*) Peter Bierl ist Mitglied der Ökologischen Linken und Co-Autor des Buches "Ganzheitlich und ohne Sorgen in die Republik von morgen" mit Beiträgen u.a. von Thomas Ebermann und Colin Goldner zu Antisemitismus, Irrationalismus und Esoterik, das im April 2001 im Alibri-Verlag erscheint.


  weiter(hin ) fuehrendes Material
26.03.2004 13:49  
zB:  http://www.free.de/geld

die letzten Staende der Dinge hier:  http://groups.yahoo.com/group/ijccr

nit so 'up to date' wie meine English sprachige Werke aber gut genug:


AutorIn: piet | Web:: http://members.lycos.nl/vadercats/Deutsch.htm
  undifferenziert - demagogisch
06.02.2005 15:14  
herzlichen glückwünsch zu einer so einseitigen und undifferenzierten welt.
sie fällen ihr urteil schnell und asoziieren ihre negativen vorurteile auf die freiwirtschft,
ohne substanziell kritik an der geldwirtschaft selbst zu üben.
Wenn sie weniger über VWl oder Makroökonomie verstehen,
können sie zwischen den realen Auswirkungen einer Geldreform
und dem Leitbild Gesells für die Freiwirtschft nur undifferenziert urteilen.

Unterscheiden sie zwischen Ideen, Institutionen uns "realen Auswirkungen" und bauen sie ihre Vorurteile gegenüber anderen ab.

mit freundlichen grüßen

ein freier geist - ohne schwarz-weiß schema



AutorIn: freigeist
  Das Trennende Überwinden
27.11.2006 21:21  
Wenn ihr das Ganze wollt so müsst ihr die Trennung überwinden.Ihr werdet das Ganze stärken müssen in all seinen Erscheinungen.So gibt es getrennte "Einheiten" .Diese Einheiten müssen verschmolzen werden.Ihr müsst die Lösung erreichen.Warentausch und Geld existiert weil es Trennung gibt.Wenn alles eine Einheit gibt so gibt es keine Möglichkeit mehr zum Waren- und Geldtausch.

Trennung überwinden bedeutet immer vollständige Gleichschaltung und vollständige Absorption.Dies muss umfassend geschehen.(und auch für alle Zeit immer umfassender geschehen).

Versorgung bedeutet umfassende Versorgung.Dies alles kann man nur erreichen durch einen glühenden Glauben ein Dogma und eine Weltanschauung.

So wird alles zusammengeschaltet und gleichgeschaltet.Alle Produktion ,Organisation und Kooperation so entsteht die Mutter Maschine.Alles was die Menschen benötigen kommt aus der Maschine alles was die Menschen herstellen kommt in die Maschine.



AutorIn: Sirius
 :: Nicht inhaltliche Ergänzung :
  1. Ihr seid so lächerlich ;-) — Roland
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