Eschede: Kein ruhiges Hinterland für Neonazis

Schluss mit dem Na(ht)zischeiss! 06.11.2009 17:03 Themen: Antifa
Am 19. Dezember wollen Neonazis aus Norddeutschland wieder zu einer "Wintersonnenwendfeier" im niedersächsischen Eschede zusammen kommen. Dort finden seit Jahren regelmäßig größere Nazitreffen statt.
Auf dem Hof des NPD-Mitglieds Joachiam Nahtz können sie sich im privaten Rahmen treffen und werden noch von der Polizei geschützt. Der Hof ist mittlerweile der wichtigste Nazitreffpunkt in Norddeutschland.
Im Jahr 2008 fanden zwei antifaschistische Demonstrationen in Eschede statt. In diesem Jahr bislang drei kleine Gegenaktionen, die von Bürger_innen aus Eschede, dem DGB oder dem Celler Forum gegen Rechts initiiert wurden. Im Dezember soll jetzt eine größere Bündnisdemo stattfinden, an der sich alle Initiativen gegen die Nazitreffen beteiligen sollen.
Die Antifaschistische Aktion Lüneburg-Uelzen hat im Oktober eine Standortbestimmung zur Situation in Eschede veröffentlicht.
Kein ruhiges Hinterland für Neonazis!
Hintergründe und Überlegungen zur weiteren antifaschistischen Arbeit in Eschede

"Das Problem mit den Nazitreffen in Eschede könnte mensch damit lösen, das der Hof von Joachim Nahtz abgerissen wird, das Gelände umgepflügt und dort dann Bäume gepflanzt werden. Dies scheint zurzeit noch nicht als sehr realistisch, sollte aber als eine Option im Gedächtnis verbleiben. Solange das antifaschistische Abrissunternehmen noch nicht bestellt werden kann, geht es darum, eine langfristige Perspektive zu entwickeln und die verschiedenen Initiativen zusammenführen und langfristig eine gemeinsame Basis zu schaffen, die zumindest das Ziel formuliert, die Nazitreffen nicht unbeantwortet zu lassen und nicht die Augen vor den Naziaktivitäten in Eschede und im Landkreis Celle zu verschließen."

Seit Jahrzehnten besteht mit dem Hof von Joachim Nahtz in Eschede ein Treffpunkt für Neonazis mit überregionaler Bedeutung. An keinem anderen Ort in Norddeutschland fanden so häufig und regelmäßig größere Naziveranstaltungen statt. Dies meist ungestört und geschützt durch die Polizei.
Dabei haben die Sonnenwendfeiern im Juni und Dezember besondere Bedeutung bei einer Zelebrierung nationalsozialistischer Ideologie. Am 19. Dezember 2009 wollen Neonazis in Eschede wieder eine "Wintersonnenwendfeier" durchführen.


Sonnenwendfeuer löschen!

Ursprünglich ist die Sonnwendfeier ein heidnisches Fest, das von der Bevölkerung Europas bereits vor der Christianisierung gefeiert wurde. Es gibt jeweils eine Winter-, sowie eine Sommersonnenwende. Vor allem die Sommersonnenwende wurde als Beginn des Sommers und somit als Beginn der fruchtbaren und warmen Zeit gefeiert. Das Abbrennen von Holzstößen und das Überspringen des Feuers sollen Erneuerung, Reinigung und Fruchtbarkeit symbolisieren. Vor allem in skandinavischen Ländern gelten die Sonnenwendfeiern als übliche Brauchtumspflege und werden für gesellschaftliche Feste genutzt.
Im Nationalsozialismus wurden Sonnenwendfeiern zelebriert und in eine „germanische“ Tradition gestellt, an der sich die Nazis orientiert haben. Während der Sonnwendfeiern wurde eine „Blut-, Boden, und Rassegemeinschaft“ abgefeiert, die scheinbar seit den Germanen in Deutschland existent sein sollte.
Neonazis veranstalten immer wieder solche Feste und nehmen dabei direkten Bezug auf den Nationalsozialismus. Während dieser Veranstaltungen wird in sog. „Feuerreden“ eine rassistische Weltanschauung propagiert und der deutsche Faschismus glorifiziert. Wobei sie die Sonnwendfeiern und andere vermeintliche „germanische Traditionen“ mystisch betrachten.
Diese Veranstaltungen – auch in Eschede – dienen neben dem Ausleben einer neonazistischen Ideologie auch der Vernetzung der Neonazis untereinander. Organisationen und Einzelpersonen treffen sich, Kontakte werden geknüpft und ausgebaut. Die Veranstaltungen sollen die Neonazi-Szene nach innen stärken. Nach dem Vorbild des Dritten Reiches soll die Gesinnungsgemeinschaft durch gemeinsame Rituale für die ganze Familie gefestigt werden. In Eschede können jugendliche Neonazis, AktivistInnen und SympathisantInnen und immer wieder auch Kleinkinder indoktriniert, neofaschistische Ideologie und rassistische Weltanschauungen weitergereicht und verfestigt werden.


Wald, Wiese, Kühe, braune Idylle: Hof Nahtz

Der Hof von Joachim Nahtz in Eschede entwickelte sich zu einem der wichtigsten Treffpunkte der norddeutschen Neonaziszene. Neben Zeltlagern neonazistischer Organisationen wie der im März 2009 verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), Sonnenwendfeiern, Musikveranstaltungen, Koordinierungs- und Vernetzungstreffen, kommen Neonazis ebenso für internen Schulungs- und Strategieveranstaltungen in Eschede zusammen. Die immense Bedeutung für die norddeutsche Neonaziszene resultiert vor allem aus der räumlichen Abgeschiedenheit des Geländes. Die auf dem Hof von Joachim Nahtz in Eschede stattfindenden sog. "Brauchtumsfeste", wie Sonnenwend- oder Erntedankfeiern, dienen der Neonaziszene als Treffpunkt und Koordinierungsmöglichkeit. Die völkisch-germanischen Feste sind ideologiebildend und identitätsstiftend und dienen darüber hinaus auch dem Ausleben einer neofaschistischen Ideologie.

In den letzten Jahren wurden sämtliche Treffen in Eschede durch die Nazigruppen „Kameradschaft 73 Celle“, „Snevern Jungs“ aus Schneverdingen und der niedersächsischen Nazi-Frauengruppe „Düütsche Deerns“ veranstaltet. Die Besucher_innen kommen zum großen Teil aus Niedersachsen, aber auch aus anderen Bundesländern und dem Ausland.

Der 1935 in Pommern geborene Landwirt Joachim Nahtz lebt mit seiner Familie auf dem abgelegenen, heruntergekommen Hof zwischen Eschede und Hermannsburg. Schon als 17jähriger trat er der "Deutschen Reichspartei" (DRP) bei, wechselte dann zur NPD, später zu den "Republikanern", um 2005 wieder der NPD beizutreten. Das langjährige NPD-Mitglied kandidierte 2005 zur Bundestagswahl und 2008 zur Niedersächsischen Landtagswahl für die NPD. Schon sein Vater war in der NPD aktiv.
Nahtz bietet seit Jahren zahlreichen Neonazi-Gruppierungen Platz auf seinem Anwesen. So fanden dort Wehrsportlager statt, wie z.B. 1992 von der später verbotenen "Nationalen Liste" aus Hamburg. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei Nahtz Waffen, SS-Liedgut und eine Reichskriegsflagge sichergestellt. Weiterhin fand dort im Dezember 2000 eine Wintersonnwendfeier der "Jungen Nationaldemokraten" statt, die von der Polizei aufgelöst wurde. Im Juni 2000 hatte bereits ein "Sommerfest mit Sonnenwende" der niedersächsischen NPD dort stattfinden können.

In den Jahren 2007 und 2009 fanden auf dem Hof Nahtz mindestens elf größere Naziveranstaltungen statt:

25. bis 28. Mai 2007: Pfingstlager der neonazistischen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ). Ungefähr 150 TeilnehmerInnen, vor allem Kinder und Jugendliche.
23. Juni 2007: Sommersonnenwendfeier mit knapp 200 BesucherInnen.
29. Oktober 2007: Rund 76 Neonazis nahmen an einer "Erntedankfeier" teil.
22. Dezember 2007: Wintersonnenwendfeier mit rund 160 TeilnehmerInnen.
20. Juni 2008: RechtsRock-Konzert mit 250 BesucherInnen. Es traten mehrere Bands auf.
21. Juni 2008: Sommersonnenwendfeier mit ca. 170 BesucherInnen.
27. September 2008: Rund 100 Neonazis begehen eine Erntedankfeier, darunter wieder mehrere Kinder.
20. Dezember 2009: 250 Neonazis bei Wintersonnenwendfeier
21. Februar 2009: 30 Personen nahmen an einer Zusammenkunft teil, die der Neuorganisation der „Jungen Nationaldemokraten“ in Niedersachsen diente.
18. April 2009: Rund 70 Neonazis kommen zu einer "Solidaritätsfeier" zusammen, auf der Geld für den später verbotenen Naziaufmarsch am 1. Mai in Hannover gesammelt wurde.
26. September 2009: „Erntedankfest“ mit rund 150 BesucherInnen, Darunter auch mehrere Kleinkinder.


Braune Heide - Nazizentren im Landkreis Celle

In Hetendorf existierte von 1979 bis Februar 1998 ein Neonazi-Schulungszentrum. Auf einem größeren Grundstück, welches den Vereinen des Nazi-Rechtsanwaltes Jürgen Rieger aus Hamburg gehörte, trafen sich jahrzehntelang verschiedenste Naziorganisationen. U.a. führte die 1994 verbotene "Wiking Jugend" ihre Lager dort durch. Nach antifaschistischen Protesten und vielen Medienberichten über das Treiben in Hetendorf, wurden zwei Vereine von Jürgen Rieger verboten und das Nazizentrum geschlossen.

Seit Oktober 2008 ist das Örtchen Faßberg, welches ebenfalls in der Nähe von Eschede liegt, in die bundesweiten Schlagzeilen geraten. Jürgen Rieger beabsichtigt dort das kleine Landhotel „Gerhus“ zu ersteigern bzw. zu kaufen, um dort ein Schulzentrum für seine und andere Nazigrüppchen einzurichten. Nachdem Rieger in den letzten Jahren immer wieder durch dubiose Immobiliengeschäfte Schlagzeilen machte, war es anfangs auch im Fall von Faßberg zweifelhaft, ob es sich um ernsthafte Absichten handelte oder ob Rieger wieder nur den Kaufpreis in die Höhe treiben sollte. Die Gemeinde hatte dann zunächst ihr Vorkaufsrecht in Anspruch genommen und wollte das Landhotel mit Steuergeldern kaufen. Damit wurden Riegers angebliche Pläne zunächst durchkreuzt. Später wurde dann ein Investor gefunden, der die Immobilie kaufen wollte. Allerdings gingen die Besitzer nicht auf das Kaufangebot ein und verpachteten das Gelände, obwohl es unter der Verwaltung eines Insolvenzverwalters steht, stattdessen für wenig Geld an Rieger.
Am 17. Juli 2009 drangen mehrere Neonazis aus Celle und Umgebung in das Gebäude ein und zogen in das Hotel ein. Am 4. August 2009 mussten sie das Gelände wieder verlassen, nachdem das Lüneburger Landgericht Rieger auf Räumung des Hotels Gerhus in Faßberg und Herausgabe des Objekts an den Zwangsverwalter verurteilt hatte. Auch wenn die Nazis das Gelände verlassen mussten, muss davon ausgegangen werden, dass Rieger sich weiterhin um das Hotel bemühen wird, um dort ein Nazizentrum einzurichten. Zum einen steht noch eine endgültige Regelung aus, ob der Pachtvertrag zwischen Rieger und den Besitzern rechtmäßig ist und zum anderen wird Rieger bei der im Dezember 2009 anstehenden Zwangsversteigerung mitbieten.


Neonazis in Celle

Während der „Besetzung“ das Landhotels „Gerhus“ in Faßberg zeigte sich auch die zunehmende Bedeutung der "Kameradschaft 73 Celle", die sich in den letzten zwei Jahren stark vergrößern konnte und bundesweit in Erscheinung tritt.
Die "Kameradschaft 73 Celle" ist eine der größeren neofaschistischen Kameradschaften in Niedersachsen. Sie ist Teil des Verbundes "Nationale Sozialisten Niedersachsen", dem zurzeit wichtigsten Netzwerk gewaltbereiter und offen nationalsozialistisch auftretender Kameradschaftsgruppen in Niedersachsen. Enge Verbindungen unterhält sie auch zur NPD, deren Aktivitäten die Kameradschaft in der Region übernimmt. So traten die beiden Kameradschaftsaktivisten Dennis Bührig und Klaus Hellmund als Direktkandidaten für die NPD zur Landtagswahl 2008 in Niedersachsen an und organisierten den Wahlkampf der NPD zur Bundestagswahl in diesem Jahr.
Wichtigste Figur der "Kameradschaft 73" ist Dennis Bührig, der nicht nur deren Anführer darstellt, sondern auch zur Führungsriege der niedersächsischen Neonaziszene zählt. Bührig ist seit Mitte der 1990er Jahre in neonazistischen Kreisen aktiv. Zunächst trat der Nazi-Skinhead im Zusammenhang einer Gruppierung mit dem Namen "Arische Front Celle" in Erscheinung. Ende der 1990er Jahre war er kurzfristig bei den "Jungen Nationaldemokraten", der Jugendorganisation der NPD, aktiv. Später schloss er sich dann der "Kameradschaft 73" an. Heute beteiligt er sich am Aufbau der parteiunabhängigen Nazi-Kameradschaften und tritt regelmäßig als Ordner und Redner bei Naziaufmärschen auf.
In der ländlichen Region rund um die Kleinstadt Celle hat sich in den vergangen zwei Jahren eine immer offensiver auftretende Nazistruktur verfestigt. Der „Kameradschaft 73“ gelang es in mehreren Orten, junge Leute um sich zu scharren und zum Teil in die Kameradschaft zu integrieren. Seit dem Sommer des letzten Jahres konnte mensch beobachten, dass mehrere Jugendliche aus der Region an den Treffen in Eschede teilnahmen oder sich an der „Besetzung“ in Faßberg beteiligten.


Waffen in der Heide

Nach der Sonnenwendfeier im Dezember 2008, kam es zu mehreren Hausdurchsuchungen bei Neonazis im Landkreis Celle. Dabei stellte die Polizei mehrere Waffen sicher. Bei Nahtz selbst wurde am 18. März 2009 ein Karabiner gefunden. Weitere Waffen fand die Polizei bei mehreren Durchsuchungen, die sich gegen eine Wehrsportgruppe aus der Region Winsen/Aller und Wietze richteten. Bei Razzien im Dezember 2008 wurden u.a. ein G3-Sturmgewehr und ein Kleinkalibergewehr gefunden. Im März 2009 wurden bei weiteren Razzien gegen die Gruppe neonazistisches Propagandamaterial, Softairwaffen, mehrere Schreckschusspistolen, ein Luftgewehr, Messer, Schwarzpulver und Dekowaffen beschlagnahmt. Kopf der Neonazigruppe, die sich "Division 88" nannte, war ein 28-jähriger ehemaliger Bundeswehrsoldat. Angehörige dieser Gruppe nahmen auch an Veranstaltungen in Eschede teil.


Totschlägertreffen

Am 10. August 1999 wurde der Escheder Peter Deutschmann von den beiden Escheder Nazi-Skinheads Marco Siedbürger und Johannes Markus K. getötet. Die beiden Totschläger erhielten fünfjährige Haftstrafen. Marco Siedbürger schloss sich nach seiner Haftentlassung der Schaumburger Naziszene an und es zog ihn immer wieder in seine alte Heimat zurück. Er war regelmäßiger Besucher der Nazitreffen auf Hof Nahtz. Vor einigen Monaten wurde er zu einer erneuten Haftstrafe verurteilt.
Peter Deutschmann ist eines der vielen Opfer rechter Gewalt. Seit 1990 sind in Deutschland über 140 Menschen von Rassisten und Neonazis ermordet worden. Viele von ihnen, weil sie sich nicht dem "normalen" Werdegang anpassen, nicht gesellschaftlichen Normen entsprechen, als "Asoziale" stilisiert, weil sie an den Rand der Gesellschaft gedacht worden: Obdachlose bzw. Wohnungslose sind als Opfergruppe von extrem Rechten nicht neu. Im Jahr 2008 starben mindestens drei als wohnungslos geltende Menschen durch Gewalt durch Neonazis. Die Abwertung von Menschen, die alkoholabhängig und vielleicht auch noch obdachlos sind, ist nicht nur Teil extrem rechter Ideologie, sondern in der Gesellschaft breit etabliert. Peter Deutschmann galt in Eschede als "Hippie" und lebte auf Grund seiner Wohnungslosigkeit in einer Sozialwohnung der Gemeinde am Ortsrand.

Auch der Totschläger Stefan Silar aus Tostedt nimmt regelmäßig an den Veranstaltungen in Eschede teil. Stefan Silar prügelte am 18. März 1992 in Buxtehude gemeinsam mit Stephan K. so brutal auf Gustav Schneeclaus ein, so dass dieser am 22. März 1992 aufgrund seiner Verletzung verstarb. Der ehemalige Kapitän Schneeclaus hatte sich abfällig über Adolf Hitler geäußert.
Stefan Silar begann gleich nach der Haftentlassung erneut in der extrem rechten Szene aktiv zu werden. So wurde er u.a. Leiter der Sektion Nordmark, des mittlerweile verbotenen "Blood & Honour" Netzwerkes in Deutschland. Im sog. "Combat 18"-Prozess von Pinneberg wurde er vor einigen Jahren wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Dem waren verschiedene neonazistische Aktivitäten und Erpressungen voraus gegangen. Heute betreibt Silar ein Geschäft in Tostedt, in dem er mit Bekleidung und Musik-CDs für Neonazis handelt. Er organisiert regelmäßig RechtsRock-Konzerte und stellte dafür eine eigene Sicherheitsgruppe auf: den sog. "Saalschutz-Nordmark". Außerdem ist er einer der Köpfe der neofaschistischen Kameradschaftsszene in der Nordheide.

Zugegen ist regelmäßig der Neonazi Markus Privenau. Der heutige NPD-Aktivist kommt aus den Reihen der mittlerweile verbotenen „Freiheitlichen Arbeiterpartei Deutschlands“ (FAP), deren Landesvorsitzender er war. Der langjährige Nazikader tötete bei Schießübungen (im Zusammenhang mit seinem Versuch, eine Wehrsportgruppe aufzubauen) einen Jagdpächter.

Der Mord an Peter Deutschmann und andere neofaschistische Gewalttaten und Morde sind die Konsequenz einer extrem rechten Ideologie, in der die soziale Gleichheit der Menschen verneint und in der den Menschen, die nicht in das Weltbild der Neonazis passen, dass Recht auf Leben nicht nur theoretisch aberkannt wird. Diese menschenverachtende Ideologie wird auch während der Veranstaltungen auf Hof Nahtz propagiert.


Schluss mit den Nazitreffen in Eschede!

Der Hof von Joachim Nahtz hat sich zum wichtigsten Treffpunkt der norddeutschen Naziszene entwickelt und die Treffen sind auch wichtige Vernetzungstreffen der Nazi-Kameradschaften mit überregionalem Charakter.

Auf dem Hof von Nazi Nahtz können sich Neonazis aus vielen Regionen Norddeutschlands und auch darüber hinaus treffen, vernetzen und Absprachen vereinbaren. Die Treffen sind zum einen Ausdruck einer neofaschistischen Weltanschauung und Ort zum Ausleben dieser, zum anderen aber auch ein Zentrum eines Netzwerks verschiedenster Neonazis und deren Gruppen und Parteien. Auch wenn die Treffen auf dem Hof nur geringe Auswirkungen im Ort haben, mit den Folgen müssen dann aber andere Menschen andernorts leben. Sich gegen die Nazis in Eschede zu wehren, heißt somit auch, sich den neofaschistischen Strukturen insgesamt entgegen zu stellen.
Die Ruhe und fehlenden Proteste und der Schutz durch die Polizei fassen die Neonazis als Einladung nach Eschede und Bestätigung für ihre menschenverachtenden Anschauungen auf. Dies gilt es zu ändern!

Sollte es Jürgen Rieger gelingen, das Hotel in Faßberg zu erwerben, ist davon auszugehen, dass ein Teil der Naziveranstaltungen, die jetzt noch in Eschede stattfinden, dorthin verlegt werden. Mit einem Nazizentrum in Faßberg wäre neben einer Heimstätte für die regionalen Neonazis ebenso ein größeres faschistisches Veranstaltungszentrum geschaffen, in dem weitaus mehr als bei Nazi Nahtz möglich wäre. Damit dies nicht Wirklichkeit wird, muss das Nazizentrum in Faßberg mit allen Mitteln verhindert werden.

Bislang konnten sich die Neonazis relativ ungestört auf dem Hof Nahtz in Eschede treffen. Nur gelegentlich beobachteten Journalist_innen das Treiben dort und die Polizei überwachte die Veranstaltungen.
Erst im Jahr 2007 kam es zu ersten Protesten gegen die Nazitreffen. Am 23. Juni 2007 führte ein bürgerschaftliches Bündnis ein Johannisfeuer, die christliche Antwort auf das heidnische Sonnenwendfeuer, im Freibad Eschede durch. Am 22. Dezember 2007 protestierten dann einige wenige Menschen - am Zufahrtsweg zum Hof Nahtz - gegen die stattfindende Wintersonnenwendfeier. Außer einigen Erklärungen seitens der offiziellen Politik in Eschede, wurden die Treffen auf dem Hof Nahtz jahrelang stillschweigend hingenommen.

Am 21. Juni 2008 und 20. Dezember 2008 demonstrierten dann jeweils rund 300 Menschen gegen die Nazitreffen in Eschede. Mit den beiden antifaschistischen Demonstrationen wurde zum ersten Mal lauter und deutlicher der Protest gegen die Nazis artikuliert. Nach den beiden antifaschistischen Demonstration gab es zwar vermehrt Stimmen gegen die Nazitreffen und die Behörden versuchten mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen auf die Treffen zu reagieren, aber letztendlich hat sich an dem Treiben dort noch nichts geändert.
Gemeinsam organisierten die Antifaschistische Aktion Celle und Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen am 21. Juni 2008 die erste antifaschistische Demonstration in Eschede. Ziel war es zum einen, eine Öffentlichkeit zu schaffen und auf die Nazitreffen in Eschede hinzuweisen. Zum anderen ging es aber auch darum, die Escheder_innen wachzurütteln und dazu zu bewegen, aktiv gegen die Vorgänge bei Hof Nahtz vorzugehen. Gleichzeitig sollten antifaschistische Strukturen gestärkt bzw. aufgebaut werden. Der Demo im Sommer 2008 sollte auch gleich eine im Dezember 2008 folgen. Mit der Infoarbeit und Mobilisierung zur ersten Demo begann dann auch gleich die Mobilisierung für die Demonstration im Winter und die Aktivitäten waren als Kampagne angelegt.

Durch die beiden Demonstrationen im letzten Jahr ist es gelungen, das Thema im Ort und darüber hinaus überhaupt auf die Agenda zu setzen. Die Treffen finden nicht mehr ohne öffentliche Beobachtung statt. Im Vorfeld der diesjährigen Sommersonnwendfeier berichteten u.a. die WELT und die TAZ über die Nazitreffen in Eschede.
Nach der Antifa-Demo im Juni 2008 kam es dann auch im Ort selbst zu neuen Initiativen im Zusammenhang mit den Veranstaltungen auf dem Hof von Joachim Nahtz. Der „Arbeitskreis gegen Extremismus“ ist davon ein Ausdruck. Am 26. August 2009 führte Teile dieses AK´s zum ersten Mal eine eigene Aktion gegen die „Erntedankfeier“ der Nazis durch und dies direkt am Zufahrtsweg zum Hof Nahtz.

Im Moment ist die Situation in Eschede noch so, dass verschiedene Akteure voneinander getrennt ihre Aktivitäten durchführen. Die antifaschistischen Demos wurden bisher als Störung des Dorflebens angesehen, während die Nazitreffen ignoriert werden, da sie außerhalb des Dorfes stattfinden.
„Wir wollen den Rechten und linken Gegendemonstranten unsere Stadt nicht überlassen“, sagte Bürgermeister Günter Berg noch vor dem 20. Juni 2009 gegenüber der Deutschen Presseagentur und beschrieb damit die örtliche Situation anschaulich. Und es ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich Teile des AK´s gegen Extremismus auch gegen „die Antifa“ ausspricht und sich vor einer punktuellen Kooperation fürchtet. Gespeist wird diese Ablehnung durch den Verfassungsschutz und die Polizei, die versuchen Einfluss auf die Aktivitäten zu nehmen und dem AK einflüstern, mit wem zusammengearbeitet werden darf und mit wem eben nicht. Gerade die Celler Polizeiführung ist für ihr Vorgehen gegen regionale antifaschistische und linke Strukturen bekannt. Mit diversen Diffamierungskampagnen hat sich der Celler Polizeichef Gerd Schomburg einen unrühmlichen Namen gemacht. Die Polizei sieht ihre Aufgabe in Eschede darin, die Nazitreffen vor neugierigen Blicken und antifaschistischen Protesten zu schützen und so verwundert es dann auch nicht, dass antifaschistische Gruppen als Gefahr und Störung betrachtet werden.

Nach den beiden antifaschistischen Demonstrationen im letzten Jahr gab es einige Stimmen, dass die Demos keine „angemessene Form des Protestes“ seien und die Escheder_innen ihr „eigenes Schritttempo“ gehen wollen. Darauf wurde im Jahr 2009 Rücksicht genommen und seitens antifaschistischer Gruppen keine Demonstrationen angemeldet. So sollte auch ein Raum für andere Aktionsformen eröffnet werden.
Antifaschistische Interventionen in Eschede stehen vor der Schwierigkeit, das bislang Trennende punktuell zu überwinden und Gemeinsamkeiten gegen die Nazitreffen zu entwickeln. Im Jahr 2009 fanden zwei kleine Veranstaltungen in Eschede statt: Im Juli eine Kundgebung gegen die Sommersonnenwende und am 9. August zum Todestag von Peter Deutschmann. Diese Veranstaltungen wurden durch den regionalen DGB und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus durchgeführt. Bei diesen beiden Veranstaltungen zeigten sich erste, kleinere Ansätze der Koordination und Zusammenarbeit mit örtlichen Akteur_innen. So nahm z.B. der örtliche Pastor an der Kundgebung am 20. Juni 2009 teil und im Gegenzug besuchten Vertreter_innen des DGB, Forums und der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen die Andacht mit Johannisfeuer, welche von Kirche und Lokalpolitik initiiert wurde. Zur Erinnerung an Peter Deutschmann rief dann der DGB zu einer Gedenkveranstaltung auf, an der einige Bürger_innen aus Eschede, Menschen aus Faßberg, Vertreter_innen des Celler Forums und Mitglieder aus Antifa-Gruppen sich beteiligten.

Am 19. Dezember 2009 findet nun zum ersten Mal eine Bündnisdemonstration gegen die Nazitreffen in Eschede statt. Diese ist vom DGB angemeldet worden und in ihr sollen sich unterschiedliche Menschen und Organisationen wiederfinden.
Neben der Demonstration müssen in Zukunft weitere Maßnahmen ergriffen werden. Es gilt ein Bündnis aufzubauen, das sich gegen die Naziaktivitäten und Nazizentren im gesamten Landkreis Celle engagiert. Darüber hinaus müssen Aktionen und Veranstaltungen organisiert werden, die kontinuierlich stattfinden und die von vielen getragen werden.

Die Möglichkeiten für antifaschistische Gruppen sind in Eschede begrenzt und es gibt – vor allem im autonomen Antifa-Spektrum - kaum Erfahrungen mit antifaschistischer Arbeit auf dem Dorf. Hier gilt es ebenfalls Vorbehalte abzubauen und den Raum für antifaschistische Aktionen zu erweitern und Inhalte zu vermitteln.
In Eschede geht es zunächst darum, den Nazis ein ruhiges Hinterland zu nehmen und sie in ihren Agitationsmöglichkeiten einzuschränken. Organisierte Antifa-Zusammenhänge müssen in den Rückzugs-, Rekrutierungs- und Planungsraum der regionalen Nazistrukturen antifaschistisch intervenieren, auch um überregional Nazistrukturen zu schwächen und eigene Handlungsräume in den Städten für sich frei zu halten. Auch muss versucht werden, aus einer Defensivposition herauszukommen und durch entschlossenes Auftreten den Neonazis die Plätze und Räume zu nehmen, sie zu bekämpfen.
Politisches Ziel antifaschistischer Interventionen muss sein, antifaschistische Strukturen zu stärken und das gesellschaftliche Klima nach links zu verschieben, um Handlungsräume für fortschrittliche Positionen und Initiativen zu eröffnen. Wir verstehen unsere antifaschistische Regionalarbeit in Eschede und Faßberg als Teil eines solchen Versuches und strategischen Konzeptes, auch in einer ländlichen Region einzugreifen, wo Nazistrukturen dabei sind, Strukturen aufzubauen und zum dominierenden Faktor werden zu wollen.

Um die Nazitreffen letztendlich zu unterbinden, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen verschiedenster Initiativen und einer Basis, für weitergehende antifaschistische Interventionen. Und dies nicht nur auf symbolischer Ebene! Gehen wir dorthin, wo sie sind, und lassen sie nicht in Ruhe...

Für eine antifaschistische Landpartie am 19. Dezember 2009!

22. Oktober 2009
Antifaschistische Aktion Lüneburg / Uelzen


Anmerkung:
Der Text wurde vor dem Tod von Jürgen Rieger veröffentlicht. Die Veränderungen in Faßberg, die durch das Ableben des Nazianwalts in Faßberg entstehen, sind deshalb nicht berücksichtigt worden.

Rückblick:
 http://de.indymedia.org/2009/08/257844.shtml
 http://de.indymedia.org/2008/12/237037.shtml
 http://de.indymedia.org/2008/06/220484.shtml
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