Vollversammlung an der FU Berlin

Wladek Flakin 01.11.2009 23:57 Themen: Bildung
Das Semester an der Freien Universität Berlin geht gerade erst los, aber wegen des bevorstehenden Bildungsstreiks fand am Donnerstag schon die erste studentische Vollversammlung (VV) statt. Über 350 Studierende versammelten sich im größten Hörsaal der Universität.
Als Auftakt sprach eine Funktionärin der IG BAU über den Abschluss des ReinigerInnen-Streiks, der erst am Morgen bekannt wurde. Die ReinigerInnen hatten mit einem zweiwöchigen Streik ca. 6% mehr Lohn und den Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge erkämpft. Die Funktionärin bedankte sich bei den Studierenden, die sich an Solidaritätsaktionen beteiligt hatten ( http://de.indymedia.org/2009/10/264533.shtml), und kündigte an, dass viele ReinigerInnen nun an Bildungsprotesten teilnehmen wollen, um sich ebenfalls solidarisch zu zeigen.

Die nächste Solidaritätsbotschaft kam von einem Studenten der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB), der von der laufenden Besetzung an der Universität Wien berichtete. Seit mehr als einer Woche halten tausende Studierende das Audimax besetzt, um gegen Überfüllung, Unterfinanzierung und undemokratische Strukturen der Universität zu protestieren. Am Mittwoch Abend fand eine Demonstration mit über 50.000 TeilnehmerInnen statt – "die größte Studentendemo seit Jahren in Österreich", so der Berichterstatter.

Danach stellt ein Aktivist der REVOLUTIONÄREN LISTE eine Solidaritätserklärung vor: "Es kommt selten vor, dass Österreich uns protesttechnisch voraus ist. Umso lautstärker wollen wir unsere Solidarität zeigen!" Die folgende Erklärung wurde mit überwiegender Mehrheit angenommen:

"Seit einer Woche halten tausende Studierende das Audimax der Universität Wien besetzt. Gestern fand eine Demonstration mit über fünfzigtausend TeilnehmerInnen statt. Auch in anderen Städten Österreichs gab es Studierendenproteste.
Die Studierenden fordern freien Hochschulzugang, keine Einführung von Studiengebühren, Geld für die Bildung, keine prekären Arbeitsverhältnisse an den Unis und die Demokratisierung der Hochschulen.
Das sind die gleichen Forderungen, die Studierende in Deutschland im Rahmen des Bildungsstreiks erheben: im Juni gingen eine Viertel Million SchülerInnen und Studierende auf die Straße, und vom 17. November bis zum 10. Dezember werden weitere Aktionen stattfinden.
Wir, Studierende der Freien Universität Berlin, sind heute versammelt, um den Bildungsstreik vorzubereiten und unsere Solidarität mit den streikenden Beschäftigten der Reinigungsfirmen und des Studentenwerks zu organisieren. Wir schicken solidarische Grüße an die Uni Wien und andere Unis in Österreich.
Lasst uns gemeinsam eine große, internationale Bewegung aufbauen, damit alle Menschen, die von Kürzungen betroffen sind, sich gemeinsam zur Wehr setzen!"

In der zweiten Phase der VV haben sich Arbeitsgruppen (AGs) des Bildungsstreiks vorgestellt.
- Ben von Linke.SDS stellte die AG "Not My President" vor, die eine studentische Urabstimmung zur Abwahl des ausgesprochen neoliberalen FU-Präsidenten Dieter Lenzen organisieren will. Bereits sind tausende Unterschriften gesammelt worden, und ein Musikvideo zur Kampagne ist gerade veröffentlicht worden ( http://www.youtube.com/watch?v=eNpnwqvVKTM).
- Stefan von der REVOLUTIONÄREN LISTE präsentierte die AG Arbeitskämpfe, die Solidarität zwischen streikwilligen Studierenden und den GebäudereinigerInnen und auch den Beschäftigten des Studentenwerks zu organisieren versucht. Am 5. November findet an der FU eine Veranstaltung zum Thema "Bildungsstreik meets Arbeitskampf" statt ( http://www.revolution.de.com/revolution/0910/reinigerinnen/index.html).
- Dazu kam die Ankündigung, dass sich eine AG Ziviler Ungehorsam nach der VV gründen würde.

Nach dem Schluss der mit ca. 60 Minuten recht kurzen Informations-VV konnten die TeilnehmerInnen ihre Email-Adressen für die Teilnahme an die AGs hinterlassen. Obwohl die Vorbereitungen für den Bildungsstreik an den deutschen Universitäten eher schleppend laufen, war diese VV ein ermutigender Auftakt für Proteste an der FU.

von Wladek Flakin, unabhängige Jugendorganisation REVOLUTION ( http://www.revolution.de.com)

Bilder von der VV auf Flickr:
 http://www.flickr.com/photos/onesolutionrevolution/sets/72157622567463233/
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Ergänzungen

Wieviel % der Studierenden haben teilgenommen

Zappa 02.11.2009 - 11:58
Wie hoch war die Beteiligung in % zur gesamten Studierendenschaft? 350 Beteiligte erscheint mir doch arg wenig, vor allem dann, wenn man die Personen herausrechnet, die quasi "von amtswegen" anwesend waren.

Richtigstellung

Wladek Flakin 10.11.2009 - 12:51
Ich bin auf einen Fehler im Bericht hingewiesen worden. Es sollte heißen:

- Ben von Linke.SDS stellte die bundesweite Planung für den Bildungsstreik, vor allem die Blockade der KultusministerInnenkonferenz am 10. Dezember in Bonn, vor.
- Sarah von der Hochschulpolitischen Linken stellte die Initiative "Not My President" vor, die eine studentische Urabstimmung zur Abwahl des ausgesprochen neoliberalen FU-Präsidenten Dieter Lenzen organisieren will. Bereits sind über tausend Unterschriften gesammelt worden, und ein Musikvideo zur Kampagne wurde vor kurzem veröffentlicht (  http://www.youtube.com/watch?v=eNpnwqvVKTM

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