Uni Hamburg: Präsidentin gestürzt?!
Seit dem vergangenen Freitag (26.06) berichten es alle „großen“ Medien von der Taz bis zur Welt, vom Hamburger Abendblatt bis zum NDR. Die Präsidentin der Uni Hamburg, Monika Auweter-Kurtz, auch Rakteten-Moni genannt, soll in den nächsten Tagen ihr Amt aufgeben. Vorausgegangen waren Proteste von Studierenden und Lehrenden, die die undemokratischen Zustände an der Uni und viele weitere Missstände nicht mehr hinnehmen wollen.
Wie ist es also zu dieser Situation gekommen? Bereits bei ihrem Amtsantritt im Februar 2007 protestierten Studierende gegen die neue Unipräsidentin. Kritik wurde unter anderem an ihren Verstrickungen mit der Rüstungsindustrie geübt. Darüber hinaus ist ihr eine große Nähe zur CDU nachzuweisen. Dass eine solche Unipräsidentin nicht zu tragen ist, war schon damals vielen klar. *1
Im Sommer 2007 gab es dann Furore um den so genannten „Maulkorb-Erlass“. Eine Lehrende wurde gekündigt, weil sie sich im Fernsehmagazin „Monitor“ kritisch zu den Arbeitsbedingungen an der Uni geäußert hatte. Daraufhin verbot das Präsidium allen Lehrenden, sich in der Presse kritisch über die Uni zu äußern, ohne zuvor die Pressestelle der Uni zu konsultieren. *2
Viele kleinere und größere Skandale folgten.
Seit ca. einem Jahr steht Raketen-Moni massiv in der Kritik, da sie voll hinter den Plänen des Hamburger Senates steht, nach denen die gesamte Uni in das neue Prestigeviertel Hafencity umziehen soll. Diese Pläne werden von einer breiten Öffentlichkeit stark kritisiert.
Zu Beginn dieses Semesters gab es zunächst Kritik von Studierenden der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Bewegungswissenschaft und Psychologie. Am Fachbereich Erziehungswissenschaft sollen 11% der finanziellen Mittel eingespart werden. Im Zuge einer Protestwoche gegen diese Kürzungen versuchten Studierende Ende April eine Sitzung des Präsidiums zu besuchen. Nachdem die Präsidentin versucht hatte, die Studierenden mit einem dreiminütigen „Gespräch“ mit vier „VertreterInnen“ abzuspeisen, wurde die unter Polizeischutz aus dem Gebäude geführte Präsidentin lautstark verfolgt. Nach draußen und durch die Lobby eines Luxushotels. Als die Präsidenten schließlich in ein Taxi stieg, wurde dies noch ca. 10min blockiert, bis die Polizei genügend Kräfte zusammengezogen hatte um mit Verhaftungen zu drohen. *3
Den erneuten Vorwurf einer undemokratischen Führung der Uni zog Auweter-Kurtz anschließend auf sich, als sie den gewählten Dekan der Geisteswissenschaften nicht bestätigen wollte. Dieser hat sich vielfach kritisch ihr gegenüber geäußert und klar Stellung bezogen gegen eine Entdemokratisierung der Uni, gegen Studiengebühren und gegen das Computersystem Stine. Damit war er der Präsidentin zu kritisch. Bisher ist er immer noch nicht bestätigt.*4
Im Zuge dieser Auseinandersetzungen um den Dekan der Geisteswissenschaften solidarisierten sich viele ProfessorInnen und andere Lehrende. Einige ProfessorInnen traten aus dem Akademischen Senat zurück. Mit einer Unterschriftensammlung forderten 120 ProfessorInnen der Uni die Präsidentin zum Rücktritt auf. Ihnen schlossen sich fünf der sechs Dekane der Fakultäten an.
Auch in der Bundeweiten Bildungsstreikwoche spielte das Thema Auweter-Kurtz an der Uni eine große Rolle. Auf vielen Transparenten und in vielen Flugblättern wurde ihr Rücktritt eingefordert.
Seit dem vergangenen Freitag, dem 26.06., nun melden alle „großen“ Medien, dass ein Rücktritt der Präsidentin unmittelbar bevorstehe. Die Wissenschaftssenatorin hat ihr ein Vertragsauflösungsangebot zukommen lassen. Sicher ist aber anscheinend doch noch nichts, da Auweter-Kurtz sich in der Presse über diese Schritt beschwert hat. Auch der Hochschulrat hat sich zu Wort gemeldet und sieht einen Übergriff in sein Kompetenzgebiet. Der Hochschulrat ist ein undemokratisches Gremium, das zur Hälfe durch den Senat eingesetzt wird und die Uni strategisch führen soll, wie ein Unternehmen. Dieser Hochschulrat ist auch für Wahl und Abwahl der Präsidentin/ des Präsidenten zuständig. *5
Es ist also wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten und somit sicherzustellen, dass Monika Auweter-Kurtz wirklich gehen muss.
Aus einer progressiven emanzipatorischen Perspektive erscheint es nun allerdings auch sehr wichtig, deutlich zu machen, dass es nicht nur um eine Personalfrage geht. Es geht nicht um die Nase der Präsidentin sondern um die Frage, welche Politik an der Uni Hamburg verfolgt wird. Es geht um eine unternehmensähnliche Führungsstruktur, um eine Entdemokratisierung der Uni, um die Transformation von Bildung zu einer Ware und um Excellence- und Eliteinitiativen. Diese gilt es zu verhindern und entgegengesetzte Trends anzustoßen.
Die derzeit bestehende große mediale Aufmerksamkeit sollte hierzu genutzt werden.
An Ansatzpunkten mangelt es nicht.
Der Hochschulrat muss weg. Studiengebühren müssen abgeschafft werden. Im Bezug auf die Studienbedingungen ist ein basisdemokratischer Prozess von Nöten, der das von oben diktierte Bachelor-/Mastersystem durch eine Studienstruktur ersetzt, die von allen konkret Betroffenen in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet werden könnte.
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*1 Zur Kritik an der Person:
http://de.indymedia.org/2006/07/153377.shtml
Zur Amtseinführung:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article842478/Turbulente-Antritts-Feier-fuer-Uni-Praesidentin.html
*2 Zum Maulkorb-Erlass:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article461094/Maulkorb-Erlass-fuer-Professoren.html
*3 Flucht der Präsidentin:
http://de.indymedia.org/2009/04/248174.shtml
Video der „Verfolgungsjagt“:
http://www.youtube.com/watch?v=h_7EpaTSU8g
*4 Zu undemokratischen Strukturen und dem Dekan:
http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/abschied-von-der-hochschul-demokratie/
*5 Der zu erwartende Rücktritt:
http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/raketen-moni-kurz-vor-abschuss/
Die Präsidentin wehrt sich:
http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1076101/Unwuerdig-Uni-Praesidentin-ist-sauer-auf-ihre-Senatorin.html
Im Sommer 2007 gab es dann Furore um den so genannten „Maulkorb-Erlass“. Eine Lehrende wurde gekündigt, weil sie sich im Fernsehmagazin „Monitor“ kritisch zu den Arbeitsbedingungen an der Uni geäußert hatte. Daraufhin verbot das Präsidium allen Lehrenden, sich in der Presse kritisch über die Uni zu äußern, ohne zuvor die Pressestelle der Uni zu konsultieren. *2
Viele kleinere und größere Skandale folgten.
Seit ca. einem Jahr steht Raketen-Moni massiv in der Kritik, da sie voll hinter den Plänen des Hamburger Senates steht, nach denen die gesamte Uni in das neue Prestigeviertel Hafencity umziehen soll. Diese Pläne werden von einer breiten Öffentlichkeit stark kritisiert.
Zu Beginn dieses Semesters gab es zunächst Kritik von Studierenden der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Bewegungswissenschaft und Psychologie. Am Fachbereich Erziehungswissenschaft sollen 11% der finanziellen Mittel eingespart werden. Im Zuge einer Protestwoche gegen diese Kürzungen versuchten Studierende Ende April eine Sitzung des Präsidiums zu besuchen. Nachdem die Präsidentin versucht hatte, die Studierenden mit einem dreiminütigen „Gespräch“ mit vier „VertreterInnen“ abzuspeisen, wurde die unter Polizeischutz aus dem Gebäude geführte Präsidentin lautstark verfolgt. Nach draußen und durch die Lobby eines Luxushotels. Als die Präsidenten schließlich in ein Taxi stieg, wurde dies noch ca. 10min blockiert, bis die Polizei genügend Kräfte zusammengezogen hatte um mit Verhaftungen zu drohen. *3
Den erneuten Vorwurf einer undemokratischen Führung der Uni zog Auweter-Kurtz anschließend auf sich, als sie den gewählten Dekan der Geisteswissenschaften nicht bestätigen wollte. Dieser hat sich vielfach kritisch ihr gegenüber geäußert und klar Stellung bezogen gegen eine Entdemokratisierung der Uni, gegen Studiengebühren und gegen das Computersystem Stine. Damit war er der Präsidentin zu kritisch. Bisher ist er immer noch nicht bestätigt.*4
Im Zuge dieser Auseinandersetzungen um den Dekan der Geisteswissenschaften solidarisierten sich viele ProfessorInnen und andere Lehrende. Einige ProfessorInnen traten aus dem Akademischen Senat zurück. Mit einer Unterschriftensammlung forderten 120 ProfessorInnen der Uni die Präsidentin zum Rücktritt auf. Ihnen schlossen sich fünf der sechs Dekane der Fakultäten an.
Auch in der Bundeweiten Bildungsstreikwoche spielte das Thema Auweter-Kurtz an der Uni eine große Rolle. Auf vielen Transparenten und in vielen Flugblättern wurde ihr Rücktritt eingefordert.
Seit dem vergangenen Freitag, dem 26.06., nun melden alle „großen“ Medien, dass ein Rücktritt der Präsidentin unmittelbar bevorstehe. Die Wissenschaftssenatorin hat ihr ein Vertragsauflösungsangebot zukommen lassen. Sicher ist aber anscheinend doch noch nichts, da Auweter-Kurtz sich in der Presse über diese Schritt beschwert hat. Auch der Hochschulrat hat sich zu Wort gemeldet und sieht einen Übergriff in sein Kompetenzgebiet. Der Hochschulrat ist ein undemokratisches Gremium, das zur Hälfe durch den Senat eingesetzt wird und die Uni strategisch führen soll, wie ein Unternehmen. Dieser Hochschulrat ist auch für Wahl und Abwahl der Präsidentin/ des Präsidenten zuständig. *5
Es ist also wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten und somit sicherzustellen, dass Monika Auweter-Kurtz wirklich gehen muss.
Aus einer progressiven emanzipatorischen Perspektive erscheint es nun allerdings auch sehr wichtig, deutlich zu machen, dass es nicht nur um eine Personalfrage geht. Es geht nicht um die Nase der Präsidentin sondern um die Frage, welche Politik an der Uni Hamburg verfolgt wird. Es geht um eine unternehmensähnliche Führungsstruktur, um eine Entdemokratisierung der Uni, um die Transformation von Bildung zu einer Ware und um Excellence- und Eliteinitiativen. Diese gilt es zu verhindern und entgegengesetzte Trends anzustoßen.
Die derzeit bestehende große mediale Aufmerksamkeit sollte hierzu genutzt werden.
An Ansatzpunkten mangelt es nicht.
Der Hochschulrat muss weg. Studiengebühren müssen abgeschafft werden. Im Bezug auf die Studienbedingungen ist ein basisdemokratischer Prozess von Nöten, der das von oben diktierte Bachelor-/Mastersystem durch eine Studienstruktur ersetzt, die von allen konkret Betroffenen in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet werden könnte.
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*1 Zur Kritik an der Person:
http://de.indymedia.org/2006/07/153377.shtml Zur Amtseinführung:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article842478/Turbulente-Antritts-Feier-fuer-Uni-Praesidentin.html *2 Zum Maulkorb-Erlass:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article461094/Maulkorb-Erlass-fuer-Professoren.html *3 Flucht der Präsidentin:
http://de.indymedia.org/2009/04/248174.shtml Video der „Verfolgungsjagt“:
http://www.youtube.com/watch?v=h_7EpaTSU8g *4 Zu undemokratischen Strukturen und dem Dekan:
http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/abschied-von-der-hochschul-demokratie/ *5 Der zu erwartende Rücktritt:
http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/raketen-moni-kurz-vor-abschuss/ Die Präsidentin wehrt sich:
http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1076101/Unwuerdig-Uni-Praesidentin-ist-sauer-auf-ihre-Senatorin.html
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Ergänzungen
Auweter-Kurtz + Wernher von Braun
"Schon als Jugendliche hat mich Raumfahrt interessiert. Ein Auslöser war ein Vortrag des Raketentechnikers und Raumfahrt-Visionärs Wernher von Braun. Er hatte mich damals sehr beeindruckt."
Und passend dazu Tom Lehrer mit Wernher von Braun auf Youtube:
"[...] Once the rockets are up, who cares where they come down?
Thats not my department, says wernher von braun. [...]" (kompletter Text auf
...
Reclaim your education
Solidarische Grüße aus Jena
...and the beat goes on...
Welt 01.07.09: Professoren distanzieren sich von Senat
Taz 01.07.09: Senatorin wackelt
Abendblatt 02.07.09: AStA fordert Rücktritt der Wissenschaftssenatorin
Auweter-Kurtz hat den Abflug gemacht
Die Präsidentin gibt auf
Nach monatelangen Auseinandersetzungen gibt die umstrittene Hamburger Universitäts-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz ihr Amt auf. Sie unterschrieb am Freitag eine Auflösungsvereinbarung für ihren bis Ende 2012 laufenden Vertrag, teilte die Hamburger Wissenschaftsbehörde mit. Danach endet die Amtszeit von Auweter-Kurtz am 8. Juli. Über eine Nachfolge ist noch nicht entschieden.
Schon seit ihrer Berufung im November 2006 hatte die Expertin für Raketenantriebstechnik und Befürworterin von Studiengebühren in Hamburg einen schweren Stand. So wurde der Naturwissenschaftlerin eine zu große Nähe zur Rüstungsindustrie unterstellt, was ihr auch den Namen "Raketen-Moni" eintrug. Mit ihrem wirtschaftsnahen Kurs und großem Augenmerk auf das Einwerben von Drittmitteln erntete sie auch Lob, aber vor allem viel Kritik.
Nach und nach hatte sie die Unterstützung wichtiger universitärer Gruppen und Gremien verloren. So hatten unter anderem mehr als 120 Professoren ihre Abwahl gefordert. Vier der sechs Dekane hatten erklärt, nicht mehr mit der 58-jährigen Präsidentin zusammenarbeiten zu wollen. Dabei ging es sowohl um persönliche Unverträglichkeiten als auch um sachliche Differenzen über den Kurs der Universität und notwendige Reformen. Auch de mögliche Umzug der Hochschule aus dem Stadtteil Rotherbaum in die neue Hafen-City an Elbe brachte Streit. (dpa)
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
ahh ... eine wissenschaftlerin ...
ey, wieso kriegen die das hin und