KA: Flashmob gegen Bundeswehr-Karriere-Truck

Laurent Wieland 30.06.2009 21:40 Themen: Militarismus Repression
Hundert Menschen beteiligen sich am Flashmob gegen den Bundeswehr-Karriere-Truck in Karlsruhe.
Auffallend viele Menschen versammelten sich am Dienstag Nachmittag  in Karlsruhe auf dem Marktplatz. Um 17:00 Uhr ließen sie sich zeitgleich wie auf Kommando rund um den dort stehenden Bundeswehr-Karriere-Truck fallen und lagen mehrere Minuten bewegungslos auf dem Boden. Ein Heer von Leichen umgab den Truck.
Die Aktivisten malten anschließend mit Kreide jeweils ihren Körperumriss auf den Boden,
bevor sie den Marktplatz wieder verließen.

„Eine Karriere bei der Bundeswehr bedeutet nicht Spaß und Action sondern Krieg und Töten. Während die Bundesregierung harmlose Killerspiele verbieten will, werden in ihrem Auftrag Kinder und Jugendliche fürs Töten begeistert.“ kritisiert Nicole Lampert, die Sprecherin des neu gegründeten Karlsruher Bündnisses Bundeswehr-kehrt-Marsch.

In Zeitungsanzeigen für den Karrieretruck wirbt die Bundeswehr mit „Spaß und Action“.
Sie richtet sich damit speziell an Schülerinnen und Schüler, um sie für die Armee zu begeistern. Quizshows und 3D-Kino werden zu dem selben Zweck aufgeboten.

Nicole Lampert dazu: “Wir fallen auf diese Hochglanz-und Hightech-Propaganda nicht herein. Wir lehnen es ab, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen und "im Interesse unseres Landes“ den "freien und ungehinderten Welthandel“ zu fördern, wie es im Weißbuch der Bundeswehr (2006) steht.“

Kritik äußert die Sprecherin des Bündnisses am Verhalten der Polizei. Sie hielt hauptsächlich jüngere Menschen an, um deren Personalien aufzunehmen.
„Ein Flashmob ist eine im Gegensatz zu einem Bundeswehreinsatz gewaltfreie Aktion und durch das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gedeckt. In Karlsruhe man kann sich offensichtlich nicht politisch öffentlich äußern, ohne dass man gleich polizeilich registriert und damit kriminalisiert wird.“
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Ergänzungen

Weitere Perspektiven

stefan 01.07.2009 - 08:52
Zur Ergänzung noch paar weitere Bilder

Kriminalisierung antimilitaristischen Protest

AMG 03.07.2009 - 13:35
„Pressemitteilung der Antimilitarismus Gruppe Celle [AMG] vom 22.06.2009


„Wir lassen unseren Widerstand nicht kriminalisieren!“

Unschwer war es zu übersehen. Jede Bushaltestelle, selbst die Cellesche Zeitung (CZ) kündigten es an: Der „Karriere- Truck“ der Bundeswehr kommt am 16. und 17. Juni nach Celle auf den Großen Plan.

Der Bundeswehr fehlt nachweislich die gesellschaftliche Akzeptanz für ihre Kriegseinsätze. Deshalb bemüht sie sich um ein besseres Image in der Gesellschaft. Die Selbstinszenierung als normale Arbeitgeberin mit „sicheren“ Arbeitsplätzen, als Finanziererin deines Studiums, als lukrative Alternative zu Hartz IV etc. soll der Akzeptanzsteigerung dienen. Sie organisiert und finanziert z.B. Sportereignisse, Erlebnistage und Talentwettbewerbe (wie auch den Schulbandcontest in Celle). Es wird massiv an Schulen für „unsere Streitkräfte“ und deutsche Kriegseinsätze geworben, ebenso werben Arbeitsämter für den Kriegsdienst. Sogar an Hochschulen und Universitäten ist die Bundeswehr vertreten: Ob im Studiengang „Military Studies“ in Potsdam, ob durch sozialwissenschaftliche Forschung, deren Ergebnisse militärischen Nutzen finden, oder indirekt über die Beteiligung von Rüstungsunternehmen an deutschen Bildungseinrichtungen.
Die zivile Gesellschaft wird militarisiert – das Militärische soll Normalität werden.

Dies sieht auch das Weißbuch der Bundeswehr von 2006 vor. Um diese Akzeptanzsteigerung fürs deutsche Militär zu unterstützen und weiter zu forcieren, treffen sich seit 2007 über 100 Vertreter_innen aus Wirtschaft, Bundeswehr und Politik in Celle zum „Celler Trialog“. Initiiert von Commerzbank, Bundesverteidigungsministerium und 1.Panzerdivision Hannover soll ein engerer Schulterschluss der drei Bereiche vorangetrieben werden. Vom 08. bis zum 10. Juli 2009 findet der Celler Trialog nun das dritte Jahr in Folge statt. Dieses „Diskussionsforum für Außen- und Sicherheitspolitik“ wird bereits als „nationales Pendant zur Sicherheitskonferenz“ (SIKO) in München gehandelt. Genau wie die SIKO steht der Celler Trialog für Krieg, Ausbeutung, Aufrüstung und zunehmende Militarisierung der Gesellschaft.
Die Bedeutung des Treffens zeigt schon ein kurzer Einblick in die Rednerlisten von 2007 und 2008: Von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, Schirmherr Ministerpräsident Christian Wulff und den Initiatoren Klaus-Peter Müller und dem ehemaligen Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Wolf Langheld, über die Inspekteure der Marine und des Heeres bis hin zum Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, und Medienvertretern wie u.a. dem als Moderator auftretenden Chefredakteur der Griephan- (global security) Redaktion, Heinz Schulte…
Im Jahr 2009 werden zudem Innenminister Schäuble, der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger und der General a.D. Klaus Naumann erwartet, der das aktuelle Strategie-Papier der NATO „Towards a Grand Strategy for an Uncertain world“ mit verfasst hat.

Wir können und werden die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft nicht hinnehmen! Und wir sind nicht allein: Als Teil vom „Bündnis gegen den Celler Trialog, Militarismus und Krieg“ unterstützen wir den Aufruf zur Demonstration am 04. Juli 2009 in Celle unter dem Motto „Celler Trialog beenden! Für eine Welt ohne Krieg!“. Wir rufen dazu auf, sich dem Celler Trialog mit vielfältigem Protest entgegen zu stellen! Die Herrschenden werden uns eine Welt ohne Krieg und Ausbeutung nicht schenken – wir müssen uns organisieren, uns einmischen und selber aktiv werden! Wir werden gemeinsam und entschlossen dem Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Politik und Militär den Kampf ansagen!

Der Kriminalisierung unseres Widerstands durch den Celler Polizeichef Gerd Schomburg im Zuge des „Karriere-Trucks“ stellen wir uns entschieden entgegen!
Er orderte „eine ungewöhnlich große Polizeipräsenz“ (Cellesche Zeitung, 18.06.2009) in die Celler Innenstadt auf Grund potenzieller „linksextremistische(r) Angriffe gegen die Bundeswehr“(Gerd Schomburg, CZ 18.06.2009). Den Polizeieinsatz plant er zur Antimilitarismus- Demo am 04. Juli und der darauf folgenden Aktionswoche gegen den Celler Trialog noch zu verstärken (vgl. CZ 18.06.2009).

Schomburgs Aussagen, sowie sein Verhalten zeigen einmal mehr, dass er jede Gelegenheit nutzt, Protest zu kriminalisieren und das selbstverwaltete Sozio- und Kulturzentrum Buntes Haus e.V. zu diskreditieren: „Das Bunte Haus macht im Internet gegen Militär und den Celler Trialog mobil“ sagte er gegenüber der CZ. Er missbraucht die Bekanntmachung einer Informationsveranstaltung des Bündnisses gegen den Celler Trialog, Militarismus und Krieg in den Räumlichkeiten des Bunten Hauses auf www.bunteshaus.de, um ein Gefahren- und Gewaltsmoment zu forcieren. Wir verurteilen diese Meinungsmache gegen das Bunte Haus, sowie die Kriminalisierung unseres Widerstands gegen Krieg, Militarismus und den Celler Trialog durch den Celler Polizeichef Gerd Schomburg.

Wir werden uns trotz dieser öffentlichen Kriminalisierung nicht einschüchtern lassen!

Antimilitarismus Gruppe Celle [AMG]

Für mehr Informationen: cellertrialog.blogsport.de
Kontakt:  cellertrialog@gmail.com

Gelesen auf:  http://de.indymedia.org/2009/06/254505.shtml

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 12 Kommentare

Neue Aktionsformen!!!

Daumen_hoch 30.06.2009 - 22:35
Sehr schön, flashmobs sollten viel öfter politisch motiviert sein, schön das sich so viele an so einer Aktion beteiligen!
solidarischer gruß

guter flashmob

rumlieger 01.07.2009 - 09:45
flashmobs sind oft party-freude-eigenfeier-aktivismus ohne erkennbaren nutzen.
hier endlich ein tolles beispiel für einen wirkungsvollen flashmob. mehr davon!

weitere Termine auf www.kehrt-marsch.de

unwichtig 01.07.2009 - 10:34
Weitere Werbetermine der Bundeswehr, Aktionsideen und Material gibt es auf www.kehrt-marsch.de. Den Bundeswehr-Werbefeldzug stoppen!

Gute Aktion

Lotta 01.07.2009 - 10:51
Echt eine gute, individuelle, einfallsreiche Aktion. Die Welt brauch mehr davon!
Daumen hoch und solidarische Grüße,
F.

jeah

spassguerilla 01.07.2009 - 12:36
einfach toll!

Kunstblut bei den Personnen hätte zusätzlich sicher noch sehr gut ausgesehen :-)

weiter so!!

rumflieger 2

xxx 01.07.2009 - 13:37
Auch finde, dass dieser Flashmob wirklich gut und wirkungsvoll ist. Bringt jedenfalls 10 Mal mehr, als hätte man vor Ort gegen den Truck konventionell demonstriert. WEITER SO! Mit "Theater" den Leuten vor Augen führen, was Bundeswehr und Krieg bedeuten - TOD und VERDERBEN!

Harmlose Killerspiele?

sonstwie 01.07.2009 - 17:39
Super Aktion! Bin begeistert. Es bleibt jedoch zu ergänzen, daß die sog. Killerspiele im Gegensatz zur Meinung der AutorInnen alles andere als harmlos sind: Einerseits sind sie ebenso perfide Hochglanz-Kriegspropaganda und andererseits sourcen die Armeen dieser Welt seit Jahren die Entwicklung militärischer Simulationsumgebungen an private Unternehmen aus, die diese zu einem Bruchteil der Kosten entwickeln und im Gegenzug Millionen mit dem Verkauf kommerzieller Versionen einstreichen dürfen. Wer das nicht glauben mag, google doch mal "institute for creative technologies" um einen ersten Eindruck der Verflechtungen von Militärs und Unterhaltungsindustrie zu bekommen – ein in der Debatte um "Killerspiele" stets vernachlässigter Umstand. Daß der Umgang der Bundesregierung mit diesem Thema arg heuchlerisch bleibt aber unbestritten.

soso

blabl 01.07.2009 - 21:24
tolle Aktion!!

stimmt

Fragender 01.07.2009 - 21:48
.. die Addi? www.kehrt-marsch.de funzt nicht.

... Dein Freund und Helfer

ingo 01.07.2009 - 21:52
klasse aktion - fand' ich auch. Aber verdammt erschreckend das Demokratie-Verständnis der anwesenden Polizisten. Ein junger Mann war von 5 Beamten umringt und hatte einen engagierten Wortwechsel mit ihnen. Ich finde es immer ganz gut, wenn in so einem Fall ein Zeuge zugegen ist und war etwas enttäuscht, dass sich von uns niemand darum kümmerte. Als ich bis auf drei Meter ran ging, um zu hören, was da gesprochen wird, kam einer der Polizisten sofort auf mich zu und forderte mich auf, mich zu entfernen. Angeblich störte ich eine Amtshandlung. Als ich nicht sofort ging, drängte er mich ab, und drohte mir einen Platzverweis an. Er schubste mich weiter, so dass ich instinktiv die Hände vor mich hielt. Er lief gegen meine Hände und sagte "Fassen Sie mich nicht an, sonst nehme ich Sie fest".
Pfui Teufel, kann ich da nur sagen, solche Beschützer von Recht und Ordnung können wir gut gebrauchen. Wenn die Meinungsfreiheit solche Freunde hat, braucht sie keine Feinde mehr.
Später erfuhr ich, was der junge Freund 'verbrochen' hatte, dem ich bei seinem Wortwechsel mit der Polizei zuhören wollte: er hatte es gewagt, gegenpüber den Beamten die Personenkontrollen zu kritisiern, die sie auf dem Marktplatz vorgenommen haben. Meinungsäußerung = Störung einer Amtshandlung => Platzverweis. Prost Mahlzeit.
(Wäre nett, wenn es bei solchen Gelegenheiten ein paar mehr Leute geben würde, die nicht weggucken, wenn die grünen Jungs wieder mal so übereifrig die Freiheit des Militärs verteidigen.)

ach jürgen...

hänsel 02.07.2009 - 01:39
Der Hochgeschätzte Hauptoberwachtmeister Jürgen Zimmer kriegt es halt in seinem Verfolgungswahn noch hin, Bundestagskandidaten mit Platzverweisen etc. zu belegen. weenn er sich da mal kein ei gelegt hat

killer und spiele

killroy 02.07.2009 - 13:20
"guns don't kill people, kids who play video games kill people"!

ob eine gesellschaft spiele mit gewalt-inhalten braucht, kann man kontrovers diskutieren, genau wie die drogenpolitik.

tatsache ist, dass der artikel zu recht die doppelmoral der regierung entlarvt:
es kann nicht sein, dass "die da" über ein verbot von virtueller gewalt diskutieren, aber gleichzeitig die karriere in einer armee fördern, bei der die ausbildung zum effizienten töten grundlage ist!

(in diesem zusammenhang sollte mensch sich mal gedanken über die millionen eu-subventionen von tabak-anbau gedanken machen).

der sündenbock für amok-läufe ist wie immer schnell ausgemacht. früher war es eben die rock-musik, heute sind es die "killer-spiele".

auf gar keinen fall hat es etwas damit zu tun, dass aufgrund unser achso-tollen gesellschaft die familien- und freundesverbände immer mehr zerfallen, weil immer mehr arbeit und mobilität für immer weniger geld gefordert wird...der zunehmende leistungsdruck und ellbogen-ich-mentalität, sowie existenzangst sind auch auf gar keinen fall schuld!!!

schon mal darüber nachgedacht, warum die kinder oft in schulen austicken???

mal ganz davon abgesehen, dass in allen fällen die verfügbarkeit von WAFFEN das problem ist (übrigens ist die BRD der 3.grösste waffenexporteur der welt!!!)...hallo doppelmoral.

der letzte amok-lauf in belgien wurde übrigens mit einem auto verübt...ich freue mich jetzt schon über gesperrte internetseiten von automobil-konzernen und biometrischen sicherungen and garagentoren...

immer schön weiter an symptomen rumfuschen, nie was an der ursache ändern.

ich frage mich, wieviel qualifiziert betreute jugendeinrichtugen mensch für das geld des afgahnistan-einsatzes wohl hätte bauen können...