Schöne Bilder und Randale - war das alles?
31.01.04: Naziaufmarsch gegen die Wehrmachtsausstellung in Hamburg
Wer in den Tagen nach dem Naziaufmarsch gegen die Wehrmachtsausstellung in Hamburg wissen wollte, was passierte und sich schlau machen wollte, bekam seitenweise Schilderungen, Kommentare und Bilder von der Antifa-Demo. Direkte Aktionen an der Nazidemo? Nazis auf der Anfahrt gestört? Davon war wenig die Rede.
Wer in den Tagen nach dem Naziaufmarsch gegen die Wehrmachtsausstellung in Hamburg wissen wollte, was passierte und sich schlau machen wollte, bekam seitenweise Schilderungen, Kommentare und Bilder von der Antifa-Demo. Direkte Aktionen an der Nazidemo? Nazis auf der Anfahrt gestört? Davon war wenig die Rede.
Dieser Eindruck entspricht der Realität an diesem Tag. An der Auftaktkundgebung der Nazis befanden sich höchsten 50 AntifaschistInnen, davon die Hälfte Anwohner- und BürgerInnen. Dass sich die Bullen damit beschäftigten, die wenigen anwesenden Antifas zu schikanieren, statt die Auflagen gegen die Nazis durchzusetzen, ist kaum erwähnenswert. Kurz bevor die Nazidemo losmarschierte, zogen die Bullen größere Teile ihrer bis dahin anwesenden Einsatzkräfte ab. Damit marschierte mehr als drei Viertel der Nazidemo völlig unbegleitet an den anwesenden AntifaschistInnen vorbei. Es war ein glücklicher Zufall, dass es in dieser Situation nicht zu massiven Übergriffen der Nazis kam. Einzelne Antifas wurden jedoch in der Jarrestraße aus der Nazidemo heraus angegriffen. Vor dem Austellungsgelände "Kampnagel" hielten die Bullen die Zwischenkundgebung der Nazis in Sicherheitsabstand zu den ca. 50 Antifas.
So weit - so schlecht. Die Abwesenheit von Aktionen beim Naziaufmarsch selbst war erschreckend. Was bleibt, ist, dass die dort anwesenden Antifas als mediales Feigenblatt für "das gute Deutschland" herhalten durften. Das kann's ja wohl echt nicht sein!
Nichts gegen eine entschlossene Antifademo gegen Naziaufmärsche. Aber es scheint mit der Konzentration auf die Antifademo auf eine Mobilisierung hin zu den Nazis verzichtet worden zu sein. Der Anspruch "mit der ganzen Demo zu den Nazis" zu wollen, war angesichts der "Insellage" der Naziroute zu keinem Zeitpunkt realistisch.
Der mangelnde Wille sich den Nazis direkt entgegenzustellen, hatte Konsequenzen. Obwohl im Vorfeld klar war, dass das Aufmarschgebiet abgeriegelt werden würde, machte sich kaum jemand dorthin auf den Weg. Bis um 9.30 war es möglich nach Winterhude zu kommen. Das Infotelefon, für uns vor allem ein wichtiges Instrument bei direkten Aktionen gegen Naziaufmärsche, funktionierte diesbezüglich kaum und hatte wenig verlässliche Informationen. Die Nazis sind nahezu vollzählig mit öffentlichen Verkehrsmitteln (mit Sonderzügen) zum Aufmarsch gefahren. Kreative Antifas auf U- und S-Bahnstrecken hätten die Anfahrt der Nazis erschweren können. Durch die Abwesenheit von Antifas an der Strecke konnten die Bullen sich erlauben, die Nazis ohne Spalier laufen zu lassen und sie ermöglichten den Nazis damit den "dicken Max" zu markieren.
Letztendlich kann keine noch so gute Struktur und Organisation - und weder das zentrale noch ein dezentrales Konzept die Verhinderung eines Naziaufmarschs garantieren. Aber es ist wichtig, den Nazis direkt entgegenzutreten. Wenn wir davon Abstand nehmen, gibt es auch keinen Grund mehr zu den Nazis hin zu demonstrieren. Zugespitzt formuliert: Unser Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Antifas zu mobilisieren sondern den Naziaufmarsch zu verhindern. Und wenn das nicht gelingt, dann den Naziaufmarsch zu stören. Daran sollten wir unsere Wirksamkeit messen.
Eine Einschätzung des Gesamtgeschehens geriet beim Erörtern der Demo-Events und der Auseinandersetzung mit den "Antideutschen" ins Hintertreffen.
Wann wurde in Hamburg jemals einer antifaschistischen Ausstellung eine Nazikundgebung direkt vor die Haustür gesetzt? Wann wagte es die Polizei eine Ausschwitzüberlebende während ihrer Rede mit Wasserwerfern zu beschießen und damit ruhig zu stellen?
Wir sehen uns im März wieder in Hamburg und am 1. Mai in Berlin-
Naziaufmärsche stören, blockieren, verhindern!
AGiP ? Antifaschistische Gruppe im Prenzlauer Berg
So weit - so schlecht. Die Abwesenheit von Aktionen beim Naziaufmarsch selbst war erschreckend. Was bleibt, ist, dass die dort anwesenden Antifas als mediales Feigenblatt für "das gute Deutschland" herhalten durften. Das kann's ja wohl echt nicht sein!
Nichts gegen eine entschlossene Antifademo gegen Naziaufmärsche. Aber es scheint mit der Konzentration auf die Antifademo auf eine Mobilisierung hin zu den Nazis verzichtet worden zu sein. Der Anspruch "mit der ganzen Demo zu den Nazis" zu wollen, war angesichts der "Insellage" der Naziroute zu keinem Zeitpunkt realistisch.
Der mangelnde Wille sich den Nazis direkt entgegenzustellen, hatte Konsequenzen. Obwohl im Vorfeld klar war, dass das Aufmarschgebiet abgeriegelt werden würde, machte sich kaum jemand dorthin auf den Weg. Bis um 9.30 war es möglich nach Winterhude zu kommen. Das Infotelefon, für uns vor allem ein wichtiges Instrument bei direkten Aktionen gegen Naziaufmärsche, funktionierte diesbezüglich kaum und hatte wenig verlässliche Informationen. Die Nazis sind nahezu vollzählig mit öffentlichen Verkehrsmitteln (mit Sonderzügen) zum Aufmarsch gefahren. Kreative Antifas auf U- und S-Bahnstrecken hätten die Anfahrt der Nazis erschweren können. Durch die Abwesenheit von Antifas an der Strecke konnten die Bullen sich erlauben, die Nazis ohne Spalier laufen zu lassen und sie ermöglichten den Nazis damit den "dicken Max" zu markieren.
Letztendlich kann keine noch so gute Struktur und Organisation - und weder das zentrale noch ein dezentrales Konzept die Verhinderung eines Naziaufmarschs garantieren. Aber es ist wichtig, den Nazis direkt entgegenzutreten. Wenn wir davon Abstand nehmen, gibt es auch keinen Grund mehr zu den Nazis hin zu demonstrieren. Zugespitzt formuliert: Unser Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Antifas zu mobilisieren sondern den Naziaufmarsch zu verhindern. Und wenn das nicht gelingt, dann den Naziaufmarsch zu stören. Daran sollten wir unsere Wirksamkeit messen.
Eine Einschätzung des Gesamtgeschehens geriet beim Erörtern der Demo-Events und der Auseinandersetzung mit den "Antideutschen" ins Hintertreffen.
Wann wurde in Hamburg jemals einer antifaschistischen Ausstellung eine Nazikundgebung direkt vor die Haustür gesetzt? Wann wagte es die Polizei eine Ausschwitzüberlebende während ihrer Rede mit Wasserwerfern zu beschießen und damit ruhig zu stellen?
Wir sehen uns im März wieder in Hamburg und am 1. Mai in Berlin-
Naziaufmärsche stören, blockieren, verhindern!
AGiP ? Antifaschistische Gruppe im Prenzlauer Berg
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Ergänzungen
Warum nicht Interim?
Andererseits gibts in Berlin die Interim, die genau für sowas da ist. Warum schickt Ihr es nicht der Interim? Gibt es ein Boykott gegenüber Berliner linksradikalen Strukturen? Oder gibt es generelle Einwände eurerseits gegenüber autonomen, lokalen Strukturen? Oder ist es nur Bequemlichkeit? Dnn können wir uns politischen Aktivismus aber gleich sparen...
Es geht nicht bloß um Berlin
Genau, Diskussion
Indymedia ist mämlcih gar kein Diskussionsforum. Ob nun Berlin oder nicht: die frage, wie Antifa-Aktionen in Zukunft aussehen koennten oder sollten, ist hier völlig falsch aufgehoben.
Da wäre es wirklich sinnvoller, die Interim wiederzubeleben, die in letzter Zeit ja doch eher eine Art Nachdrucksammlung ist. Deren Idee ist doch, wenn ich das richtig verstanden habe, szeneinterne Diskussion zu fördern.
Bei Indymedia hat das, neben der Kleinigkeit, dass solche Diskussionen 'normale Menschen' abschrecken, noch den Nachteil, dass ziemlich sicher Nazis bei der Diskussion mitmischen. Ich kann mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen, dass halbwegs intelligente Antifas in so einem Rahmen ihre Arbeit diskutieren wollen.
Wer denke, hier am einfachsten möglichst viele Interesseirte erreichen zu können: stimmt. Interessierte aller Art. Und so wie Indymedia angelegt ist, ist es eben unmöglich, nachzuprüfen, welche Info von wo kommt und ob sie stimmt.
Allein deswegen eignet sich dieses Projekt einfach nicht, auch wenn es erstmal wo bequem ist.
wie mensch's nimmt...
Fand ich (subjektiv gesehen) sehr entgegenkommend.
Wären mehr Leute mit "normalen" Klamotten am Start gewesen, hätten wir mehr Eier oder sogar Farbbeutel gehabt... Hätte mehr werden können.
Außerdem wußten viele Anwohner am 31.1 noch nichts über den Aufmarsch am 27.3
Hoffe dass die Schrumpfgermanen nächstesmal mit noch mehr Transparenten an den Häusern, noch LAUTERER MultiKultiMusik und noch mehr entschlossenen, vorbereiteten Menschen rechnen müssen.
Ein bisschen Gladenbach muss sein!
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
berlin, berlin, berlin, berlin, berlin — berlin
was soll das? — berliner
Was ihr noch vergessen habt: — antifa
Ick kotz wenn ich die AANO seh — werner