Kinderkrebs um Atomkraftwerke

IPPNW 19.01.2003 22:04 Themen: Atom
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat jetzt endlich den Studienauftrag zur Klärung der Ursachen von erhöhten Kinderkrebsraten in der Umgebung von AKWs vergeben. Der Auftrag ging an das Mainzer Kinderkrebsregister. Eine öffentliche und kritische Studienbegleitung bleibt weiterhin notwendig.
Schon seit Jahren weist die IPPNW auf Ergebnisse von Dr. Körblein hin, die erhöhte Kinderkrebsraten in der Umgebung von Atomkraftwerken nachweisen. Diese Befunde wurden zunächst nicht ernst genommen. Erst nach Veröffentlichung einer von der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW initiierten Untersuchung durch Dr.Körblein im Februar 2001, einer anschliessenden umfangreichen Information der Öffentlichkeit und unter dem Eindruck von über 10.000 Protestbriefen aus der Bevölkerung an Politiker und Behörden, räumte das BfS offiziell die Wahrnehmung einer erhöhten Kinderkrebsrate in der Umgebung von Atomkraftwerken ein. Bei einem Fachgespräch im Juli 2001 zwischen Vertretern u.a. des BfS und der IPPNW wurden weitere Studien vereinbartiv. Die erste Studie hätte so bereits 2001 beginnen sollen, deren Ergebnisse wären dann jetzt schon vorgelegen. Es kam jedoch nach dieser Vereinbarung zu einer Reihe von Verzögerungen bis zum heutigen Tag. Zumindest sind jetzt die Studien in Auftrag gegeben. Als Termin zur Veröffentlichung der Ergebnisse wird nun vom BfS "voraussichtlich das Jahr 2005" genannt.

Ausgangspunkte der vorausgehenden kontroversen Diskussion waren zwei offiziell erstellte Studien:
1.Die Studie des Mainzer Institutes für Medizinische Statistik und Dokumentation (IMSD) zu Krebsraten bei Kindern um die 20 Standorte von kerntechnischen Anlagen (KTA) in Deutschland. 1997 v. Diese Studie ergab keinen auffälligen Befund und so sah das IMSD in dieser Frage keinen weiteren Forschungsbedarf mehr.
2.Die Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu Krebsraten bei Kindern für 5 bayerische Standorte kerntechnischen Anlagen (KTA) 1995. Auch sie ergab keine Auffälligkeiten bei kindlichen Krebsfällen.

In Reanalysen beider Studien konnte jedoch Dr.Körblein unter Verwendung des selben Datenmaterials signifikant erhöhte Kinderkrebsraten nachweisen, wenn man mit diesen Daten nur die Umgebung der Atomkraftwerke untersucht, die mit hoher atomarer Leistung viel Strom produzieren. Am höchsten war die Kinderkrebsrate am Standort von Deutschlands größter Siedewasserreaktor-Anlage Gundremmingen. Es war Dr.Körbleins Verdienst, bei der Betrachtung der Daten den Blick auf die laufenden Atomkraftwerke zu fokussieren. Er verzichtete auf die "verdünnenden" Daten kerntechnischen Anlagen (KTA), die nur wenig atomare Leistung erbracht hatten und erhielt mit dieser Methode schärfere Aussagen und sogar signifikante Ergebnisse.

Bei Atomkraftwerken (AKW), die lange "unter Dampf" stehen, findet man in der Umgebung erhöhte Kinderkrebsraten. Bei kerntechnischen Anlagen (KTA) wie Forschungsreaktoren und nach kurzer Laufzeit stillgelegten Reaktoren etc. findet man sie nicht.

Nach Veröffentlichung dieser Fakten war zunächst der Aufschrei der beteiligten Wissenschaftler, des BfS, der Atomindustrie und atomfreundlicher Politiker groß. Einfallsreich und massiv waren die Versuche der Diffamierung, der Verleugnung und der Methoden, das Vorgehen Körbleins als "unwissenschaftlich" und "unwesentlich" abzutun. Viele (Industrie- u. Anzeigen- abhängige) Zeitungen, aber auch das Deutsche Ärzteblatt, musste dafür herhalten. Das Bayerische Umweltministerium veröffentlichte laufend Dementis.

Unter dem paradoxen Gesichtspunkt, dass nun das BfS zur Überprüfung der besorgniserregenden Befunde das Mainzer Kinderkrebsregister (IMSD) beauftragt hat und so die kritisierten Institutionen ihre Ergebnisse selbst überprüfen, muss unbedingt die weitere kritische Studienbegleitung in jedem Stadium öffentlich und kontrollierbar bleiben. Die IPPNW erlaubt sich in enger Zusammenarbeit mit Dr.Körblein auch in Zukunft weiter darüber zu berichten.

Internet
www.umweltinstitut.org - Dokumentation der Originalarbeiten von Dr.Körblein
www.ippnw-ulm.de - Aktuelle Infos und internationaler und nationaler Überblick weiterer Studien zum Thema durch Reinhold Thiel
www.bfs.de - Jahresbericht 2001/Ausgewählte Einzelthemen
Auf den Seiten 51/52 räumt das BfS mittlerweile fast verschämt ein: -"Fasst man jedoch, wie oben beschrieben, den gesamten Studienzeitraum von 1983-1998 zusammen, so ergibt sich eine statistisch signifikante Erhöhung von 20%"-
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Ergänzungen

Halb zog man sie! Halb fielen sie!

Kurt 19.01.2003 - 22:15
Gorleben soll Europäische Atom Müllkippe werden!
Wenn es nach einer GrillPartei geht mit Sicherheit, und die Anderen hat Antistrah ja auch von ganz Neuen Seiten in der Letzten Zeit erleben können.

Mit Strahlen Müll, ist halt jede Menge Knete zu scheffeln.

der wahre geist?

antispalterIn 20.01.2003 - 00:59
der ware geist? is nicht eher so ne sache da, das profit und machtintressen in diesem staat/dieser welt nun eimal vor den interessen der menschen stehen? wozu ist atomkraft überhaupt notwendig? alle antworten bleiben innerhalb eines weltweiten nationalistisch organisierten konkurenzsystems. nun, mensch ist nur masse, krieg is frieden und alles nicht so wichtig.

kraftwerkssprecher gundremmingen

X 20.01.2003 - 14:24
wer sich ein statement des kraftwerksprechers von gundremmingen gegenüber einer interviewerin von radio f.r.e.i. anhören möchte, kann dies tun unter:

 http://freieradios.nadir.org/portal/content.php?id=3005

Was bitte ist atomare Leistung?

Me 20.01.2003 - 22:25
Könnte sich der Autor des Texts bitte zu einer Definition des Begriffs "atomare Leistung" überreden lassen?

Atommafiosi lügt ungeniert

--- 20.01.2003 - 22:43
Der AKW-Sprecher behauptet in dem Interview mit Radio freeFM sinngemaess, dass das AKW Gundremmingen "über den Kamin" eine derart geringe Radioaktivität abgibt, dass diese nicht messbar sei, sondern errechnet werden müsse.

Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß das AKW woanders als am Kamin leckt. Daß die Radioaktivität eines AKW grundsätzlihc nicht meßbar sein soll, wie der Maffiosi suggeriert, ist eine ihrer dreisten Lügen, die z.B. vom Landesamt für Umweltschutz BaWü wiederlegt wird. Dort heisst es "Obwohl die Emissionen kerntechnischer Anlagen sehr zuverlässig erfaßt und kontrolliert werden, findet dennoch eine umfangreiche Immissionsüberwachung statt..."  http://www.lfu.baden-wuerttemberg.de/lfu/abt3/strahlenschutz/radio95/kap_4.htm

www.krb.de

No ReActoR&A-ToM 20.01.2003 - 23:26
Ja, Borek

Aber guck doch mal unter www.krb.de

Da legst Di nieder.

Atommafia

Dominique 30.05.2003 - 15:59
Man muß ja froh sein wenn überhaupt Strahlenmeßergebnisse durchkommen.Die Atombetreiber stellen auch gerne Anzeigen wegen"Verleumdung".In Garching stimmten beim Bürgerentscheid die Mehrzahl gegen den geplanten(und inzwischen fertigen)Forschungsreaktor.Im bayrischen Landtag blieb aber das Abstimmungsergebniss"verschollen"und tauchte nach anderthalb Jahren wieder auf als die Gültigkeit schon abgelaufen war

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